Teile und herrsche – es funktioniert immer noch

Bis tief in Familien hinein bewirkt die Corona-Frage eine wachsende Entfremdung — von Politik und Medien wird dies bewusst in Kauf genommen.

Schwere Folgen für Gemeinschaften und Familien ergeben sich immer dann, wenn einer Gesellschaft ein bestimmtes Narrativ auf Biegen und Brechen von oben verordnet wird. Wenn der Keil der Spaltung von einer autoritär agierenden Politik, im Schulterschluss mit öffentlichen Medien, in die Gesellschaft „hineingerammt“ wird, entstehen mitunter Verletzungen bis tief in familiäre und Freundschaftsbeziehungen hinein. Diese sind oftmals nur schwer zu behandeln oder gar zu heilen. Anlass für mich, diesen Text zu schreiben, ist mein Mitgefühl für jene Menschen, die eine kritische Haltung zum verordneten Narrativ einnehmen. Viele von ihnen geben sich redliche Mühe, die gegen sie erhobenen Vorwürfe ihrer erwachsenen Kinder zu entkräften und scheitern damit regelmäßig.

In meinem Umfeld gibt es einige Menschen, die immer wieder das Gespräch mit ihren Kindern oder auch engen Freunden suchen, um sich zu erklären. Und oft verstricken sie sich in Rechtfertigungen, lassen sich in die Enge treiben und verzweifeln über den nicht mehr entspannten Kontakt und das Fehlen einer einstmals liebevollen und von Respekt getragenen Beziehung.

Besonders verstörend erleben sie und ich ein Phänomen, das wir auch bei Demonstrationen immer wieder beobachten. Nämlich die Nicht-Bereitschaft der „anderen Seite“, sich auf Argumente einzulassen, das Abtauchen, das Verweigern des Dialogs. Wie oft schon wurden und werden auch Gegendemonstranten immer wieder zum Dialog eingeladen, was meines Wissens nur einmal halb und einmal nur sehr destruktiv funktioniert hatte. Es gab dabei einfach keine Bereitschaft zum respektvollen Gespräch, zum Zuhören, zum Austausch von Erfahrungen und so weiter. Es schien nie um Argumente zu gehen, und so erscheint es oftmals auch im privaten Gesprächsversuch. Mir kommt dann das Bild der drei Affen in den Sinn: nichts hören, nichts sehen, nicht sprechen.

Das war damals bei der Errichtung des faschistischen Regimes in Deutschland durch Hitler und seine Helfershelfer ebenso zu beobachten wie auch beim Installieren autoritärer Regime in anderen Teilen der Welt.

Im Schicksalsjahr 2020 erleben wir etwas Ähnliches. Ein Virus wird benutzt, um weltweit Freiheitsrechte zu beschneiden und auch abzuschaffen, und die Spaltung in sich Fügende und Kritiker geht durch alle gesellschaftlichen Gruppen und Schichten. Und sie geht ebenso durch die Familien und Generationen. Jeder von uns wurde und wird im Zuge dieser sich rasant ausbreitenden Entwicklung in der einen oder anderen Weise davon betroffen.

Die öffentliche Berichterstattung wird von Alarmismus regiert, und die Menschen sind in einer permanenten, den Alltag tangierenden Weise herausgefordert, Stellung zu beziehen: Maske an, Maske aus, darf man noch Geburtstag feiern und wie, muss ich Angst haben vor Menschen, die keine Maske tragen, sind Querdenker gefährliche Rechtsextreme, darf ich noch die Oma besuchen, sollte ich Verständnis haben für Menschen, die sagen, sie bekämen keine Luft unter der Maske, gibt es wirklich so viele an Covid-19 Erkrankte oder haben die nur die Grippe, ist der PCR-Test eine verlässliche Methode, warum werden alle Kritiker so bekämpft, brauchen wir eine Impfung und so weiter und so weiter.

Sehr viele Menschen fühlen sich anscheinend von so vielen Fragen völlig überfordert und gehen lieber den vermeintlich sicheren Weg, indem sie in allem der Regierung und den Ansagen in TV und Tageszeitung Folge leisten. „Es ist halt kompliziert und die Virologen, die die Regierung beraten, werden schon nichts Falsches tun.“ Also folgen sie der Herde, sicher manches Mal auch gegen ihr eigenes Bauchgefühl, das ihnen sagt: Hier stimmt etwas nicht.

Viele von uns begannen irgendwann, manche früher, manche später, auf ihr Bauchgefühl zu hören und fingen an, eigenständig zu recherchieren, die kritischen Stimmen aus der Ärzteschaft wahrzunehmen, sich in vielen unterschiedlichen alternativen Medien zu informieren und Fragen zu stellen.

Manche von uns wurden zu wahren Experten auf medizinischem sowie auf psychologischem Gebiet, in Statistik und Mathematik, in Lerntheorien und Manipulationstechniken und vielem mehr. Wir hörten Hunderten von Fachleuten in ebenso vielen Videos der Freien Medien zu, wir lasen mindestens ebenso viele Artikel, wir erkannten Zusammenhänge, wir tauschten uns aus, wir beobachteten das weltweite Agieren, und wir nahmen im Laufe der Zeit wahr, wie mit Kritikern umgegangen wurde. Wir erkannten, dass abweichende Meinungen nicht erwünscht waren — und nach wie vor nicht sind —, dass Kritiker aus der Ärzteschaft, der Politik und dem Journalismus verfolgt, diffamiert, beleidigt, ihre Videos gelöscht und ihre Webseiten blockiert wurden.

Wir fragten uns kopfschüttelnd, was mit den ansonsten durchaus kritisch daherkommenden Kulturschaffenden passiert ist. Die Fragen nahmen gar kein Ende. Wieso gab es auf einmal so viele, die vorher gesund und munter waren, dann aber plötzlich und überraschend verstarben, gerade als sie begonnen hatten, sich öffentlich kritisch zu einigen der Regierungsmaßnahmen zu äußern? Wir fragten uns, warum das Stehen auf öffentlichen Plätzen mit unserem demokratischen Grundgesetz in der Hand plötzlich eine Straftat sein sollte. Und wir gingen auf die Straßen und forderten das Einhalten der Grundrechte und sahen uns konfrontiert mit Vorwürfen, dass dort — angeblich oder tatsächlich — auch Menschen mit rechter Gesinnung neben uns stehen würden.

Meine eigene erste Antwort auf einen derartigen Vorwurf war der Satz: „Eine Wahrheit wird nicht zur Lüge, bloß weil die ‚Falschen‘ sie beklatschen.“ Und ich fragte reihum, ob ich nicht demonstrieren dürfe, wenn Menschen, deren Meinungen bei anderen Themen vielleicht von meiner abweichen, auch für dieses Ziel oder gegen diese Maßnahmen demonstrieren. Darauf bekam ich keine Anworten, wie auf so vieles nicht.

Inzwischen hatte ich aber längst begriffen, dass hier nur ein Ablenkungsmanöver stattfand und nach wie vor stattfindet, um sich nicht mit inhaltlicher Kritik auseinanderzusetzen. Menschen werden als „rechts“ oder als „Corona-Leugner“ oder als Antisemiten oder wer weiß was diffamiert, damit man sich mit der Kritik, die sie vortragen, nicht beschäftigen muss. Das ist ebenso dumm wie offensichtlich.

Die Widersprüche von Maßnahmenkritiken zum Mainstream-Narrativ wurden immer offensichtlicher und hielten also Einzug in die engsten Beziehungen. Viele von uns machten die schmerzhafte Erfahrung, von guten Freunden oder Familienmitgliedern nicht mehr verstanden zu werden. Menschen, die uns schon lange kannten, die uns lieb und teuer waren und sind, wandten sich plötzlich ab, stellten uns in eine Reihe mit angeblichen oder tatsächlichen „Nazis“, ohne dafür wirklich stichhaltige Argumente vorzubringen.

Und vor allem, ohne sich damit zu beschäftigen, wieso denn Tausende von Menschen täglich weltweit auf die Straßen gehen gegen die Errichtung von Zwangsregimen, die die Meinungsfreiheit aushebeln, die mit Gewalt gegen friedliche Bürger vorgehen, deren Existenz gerade im großen Stil zerstört wird. Ohne zu verstehen, wieso sich Hunderte von Ärzten und Anwälten organisiert haben, um für die Wahrheit einzustehen, für Bürgerrechte und Wahlfreiheit über medizinische Behandlungen. Nichts! „Ihr marschiert mit Nazis!“ Das muss reichen, um uns mundtot zu machen. Das ist nicht nur äußerst billig, es ist an Dummheit nicht zu überbieten.

Ich habe inzwischen in meinem Umfeld mit dem Abtauchen und den Nicht-Reaktionen Frieden geschlossen. Aber es schmerzt mich dann doch, wenn ich bei sehr guten Freunden erlebe, dass sie unter der Abwendung oder den Angriffen ihrer Kinder derart leiden. Diese Kinder verstehen ja oft nicht, dass sie im „Spiel der Regierenden“ gefangen sind, wenn sie ihren Eltern vorwerfen, gemeinsame Sache mit „Rechten“ zu machen. Sie verstehen nicht, dass das Prinzip „Teile und herrsche“ schon immer eine Strategie der Machthaber war, um sich Gefolgschaft zu sichern. Sie sehen nicht, auf welche Ablenkungsmanöver sie hereinfallen. Und es tut mir so leid, wenn Freunde sich auf diese Ebene der Rechtfertigungen begeben, statt sich solchen Fragen zu stellen wie zum Beispiel:

* Wenn Menschen für ihre Freiheitsrechte, für Meinungsvielfalt und für Dialog auf die Straße gehen, findest du, dass das „rechts“ ist?

* Von wem werden gerade die Grundrechte beschnitten und warum?

* Gibt es dafür tatsächlich gravierende Gründe?

* Wie hoch ist die Sterblichkeit bei diesem Virus tatsächlich?

Es gäbe ja eine Menge Fragen, die man den Menschen stellen kann, die einfach nur beklagen, dass man zusammen mit sogenannten echten oder vermeintlichen Rechten demonstriert.

Wir haben unseren Kindern im Idealfall sowohl Wurzeln als auch Flügel gegeben, mit denen sie hinfliegen können, wohin sie wollen. Und wenn sie bei diesem uns alle betreffenden existenziellen Thema eine andere Richtung einschlagen als wir selbst, dann sollten wir auch das akzeptieren können.

Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass wir Respekt erwarten können für unsere eigene Haltung: Wenn du, mein Sohn, meine Tochter, mir in diesem Punkt nicht folgen willst oder kannst, dann ist das okay so. Und du, mein Sohn, meine Tochter, musst akzeptieren, dass ich dir in deiner Haltung ebenso nicht folgen kann oder will. Und auch das sollte okay sein.

Das bedeutet nicht, dass wir uns weniger lieb haben, es bedeutet lediglich, dass wir ein bestimmtes Thema anders einschätzen und andere Schlüsse daraus ziehen. Wir sollten natürlich offen bleiben für Fragen, uns aber aus fruchtlosen Kämpfen heraushalten. Respekt auf beiden Seiten ist hier gefordert.

Ich verstehe inzwischen, warum so viele Menschen lieber mit der Masse schwimmen und sich regierungskonform verhalten. Es ist bequemer so. Man macht sich nicht angreifbar.

Und vor allem, und das ist vielleicht das Wichtigste: Man vermeidet es, sich damit zu befassen, was eventuell wirklich hinter allem stecken könnte. Weil diese Erforschung, diese Auseinandersetzung und ein daraus erfolgendes mögliches Begreifen das gesamte Weltbild erschüttern oder gar zum Einsturz bringen könnte. Ich habe die Vermutung, dass auch das bei einigen Menschen dahintersteckt, dass sie andere Sichtweisen des Geschehens so vehement ablehnen und bekämpfen müssen.

Sie schützen sich vor den Erkenntnissen, die zu ihnen kommen könnten. Gerade die Menschen, die eine diffuse Ahnung verspüren, ihre innere Stimme aber abtöten müssen, weil sie sich den Dingen, derer sie gewahr werden könnten, nicht gewachsen fühlen. Vielleicht braucht es noch etwas mehr Zeit, noch etwas mehr und deutlicher von der Fratze des Totalitarismus zu sehen, noch etwas mehr und deutlicher den wirtschaftlichen Ruin zu erfahren, bis manche Menschen beginnen, zu verstehen.

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Die gewollte Depression der Diktatoren

Weil die Regierung essenzielle menschliche Bedürfnisse mit Füßen tritt, steuert Deutschland in den dunkelsten Winter seit Langem.

Es ist bedauerlich, dass so viele Berufene zum derzeitigen massiven Angriff auf die Freiheit schweigen. Künstler, Intellektuelle, Oppositionspolitiker, Juristen … Die Psychologen schweigen nicht, sie reden sogar ziemlich viel. Allerdings oft auch das Falsche. Im Prinzip rät die eingebettete Psychotherapie dieser Tage den Menschen zur Anpassung an ein krankes System als Weg, gesund zu werden. Das ist fatal, denn selbst dem „Mainstream“ ist mittlerweile aufgefallen, dass wir in eine massive Epidemie psychischer Störungen hineinlaufen. Vor allem betrifft dies Depressionen. Diese Entwicklung ist logisch, sie dürfte im Zuge der kurzen Tage und des Winterwetters sowie sich verschärfender „Corona-Maßnahmen“ eskalieren. Was zu wenig gesehen wird: Diese Depressionen können auch die Folge nicht ausgelebter Wutgefühle gegen die Unterdrücker sein, die sich als Autoaggression gegen den Unterdrückten selbst wenden. Den Betroffenen in dieser Situation zu raten, sich zu fügen und ihre Gefühle „bei sich“ zu behalten, könnte das Problem verschärfen. Solche Psychologie ist zwar bequem für die Mächtigen, grenzt jedoch an Verrat an den Kranken.

„Winter is coming“ stand auf der Tasse, die Markus Söder beim virtuellen CSU-Parteitag am 26. September kamerawirksam auf seinem Schreibtisch stehen hatte. Der Spruch stammt aus der Erfolgsserie „Game of Thrones“. Gemeint ist: Es droht nicht nur ein langer und sehr kalter Winter, sondern auch Gefahr — von einem Heer Untoter, die über die Menschenwelt hereinbrechen werden und die jeden, der ihnen zu nahe kommt, selbst zum Zombie machen. Wenn man so will, ähnelt dieser Vorgang der Ansteckung durch Viren. Der Kontakt zu Kranken kann seinerseits krank machen.

Söder wollte „sein“ Volk mit diesem Spruch auf kommende Härten einschwören. Die Ansteckungsgefahr werde im Winter steigen, strenge Verbote drohten, wenn die Menschen nicht von sich aus Vernunft annähmen, sich also so verhielten, als wäre ohnehin schon alles verboten. Söder hielt eine der ersten einer ganzen Reihe von Blut-, Schweiß- und Tränen-Reden, die wir seitdem von Politikern gehört haben. Immer schwingt dabei der Vorwurf mit, der Bürger sei offensichtlich zu weichlich, zu kindlich — handle verantwortungslos in seinem Festhalten an den Lebensgewohnheiten einer vergangenen, leichtlebigeren Epoche.

Es sei deshalb an den Erziehungsberechtigten — den Politikern —, jetzt andere Saiten aufzuziehen. Nie sind sie selbst verantwortlich für die Brutalität, mit der sie das Volk ihrem Regime unterwerfen; immer sind es die Schüler selbst, die ihre Lehrer zur Anwendung des Rohrstocks „zwingen“ — durch Unvernunft und pubertäre Bockigkeit. Dies ist eins der charakteristischen Denkschemata der schwarzen Pädagogik.

Ansteckende Leblosigkeit

Der Anblick des Pulks von Maskenträgern, der sich durch U-Bahn-Schächte wälzt, missmutig, mit starren Augen über der affenhaft vorgewölbten, nie lächelnden Mundpartie, erinnert in anderer Weise an einen Zombiefilm. Er wirkt beklemmend und bedrohlich. Wir erleben eine Epidemie ansteckender Leblosigkeit. Insofern hat Markus Söders Game-of-Thrones-Vergleich noch eine von ihm selbst nicht beabsichtigte Zweitbedeutung. Eine neue Gruppe von „Wesen“ ist dabei, das Gebiet der Menschen alten Typs zu überrennen und einzunehmen. Sie wollen uns nicht nur dominieren, sie geben erst Ruhe, wenn wir selbst zu einem Teil ihrer Welt geworden sind. Nichts wird mehr sein, wie es war. Widerstand ist zwecklos. Wir werden assimiliert werden.

In diesen Tagen gehen einem schon düstere Gedanken durch den Kopf. Sehr unbehagliche Assoziationen. Ja, es beginnt ohne Zweifel ein außergewöhnlich harter Winter. Aber nicht, weil besonders niedrige Temperaturen drohen — der November war noch relativ mild. Und auch nicht wegen der Zunahme der Corona-Infektionen — den Wahrheitsgehalt derartiger Meldungen kann man ja getrost in Zweifel ziehen. Nein, wir laufen auf einen Winter zu, in dem die Menschen von einer beispiellosen kollektiven Depression heimgesucht werden — verbunden mit schweren Angststörungen und verschärften Anwandlungen von „Ausgebranntsein“.

Die Schwermut-Epidemie

Wir merken dies nicht nur, wenn wir unsere Mitmenschen beobachten und ihnen zuhören — sogar die Mainstream-Medien, sonst darauf bedacht, das Regierungshandeln in einem rosigen Licht erscheinen zu lassen, sowie Fachveröffentlichungen sprechen von einer grassierenden Schwermuts-Epidemie. Und sie scheuen sich auch nicht, den Schuldigen zu benennen: Corona. Wobei sowohl die Angst vor Ansteckung als Ursache identifiziert wird als auch die „soziale Isolation infolge der Lockdown-Maßnahmen und finanzielle Unsicherheit aufgrund der ökonomischen Folgen der Pandemie“. Niemand traut sich jedoch, die nahe liegende Schlussfolgerung zu ziehen, dass die Verantwortlichen die schädlichen Maßnahmen beenden sollten.

Auffällig ist dabei, dass die Medien die seelischen Folgen der Krise keineswegs verleugnen, dass sie sogar — neben der Angst vor Ansteckung — die Corona-„Schutzmaßnahmen“, den Verlust von Freiheiten, die Isolation, die Desorientierung, die Existenzängste vieler Bürger als Ursachen für Depressionen offen benennen. Dabei stellen sie aber in keiner Weise in Frage, dass diese Maßnahmen notwendig sind und bleiben. Während also eine Corona-Ansteckung als etwas behandelt wird, was um buchstäblich jeden Preis zu verhindern ist, wird die Epidemie der Depressionen und Angststörungen hingenommen wie ein unabwendbares Schicksal.

Es wird vorausgesetzt, dass die Betroffenen da eben „durchmüssen“. Das kommt mir so vor, als nähmen in einer Gemeinde Atemwegserkrankungen wegen einer neu erbauten Chemiefabrik in der Nachbarschaft drastisch zu — und anstatt den Schadstoffausstoß zu stoppen, würde man nur seelenruhig die Symptome aufzählen, allenfalls ein Hustenmittel empfehlen.

Selektives Mitgefühl

Mit einem sehr selektiven Mitgefühl reagieren viele Menschen selbst auf leichtere und gut verkraftbare Verläufe der Virusinfektion und gehen gleichzeitig über tausendfaches, oft massives seelisches Leid mit einem Achselzucken hinweg. Und dies obwohl es wahrlich keine neue Erkenntnis ist, dass auch Depression zum Tod führen kann. Mehr Suizide in der Folge der Corona-Maßnahmen wurden vielerorts bereits festgestellt, vor allem in den USA.

Das Problem dürfte sich im Winter 2020/2021 verschärfen — schon wegen des dann vermutlich längeren Lockdowns und der Tatsache, dass die „Zweite Welle“ im Oktober über bereits angeschlagene Seelen hereinbrach. Nur: die ursächlichen Zusammenhänge sind in solchen Fällen nicht so gut nachverfolgbar. Selbstmörder hinterlassen wohl kaum Briefe mit dem Inhalt: „Ich tat es wegen der Ausgangsbeschränkungen.“ Und: Maßnahmen-Tote finden im Gegensatz zu Covid-19-Toten in Medien und Politik keine Aufmerksamkeit.

Große Teile der psychologischen „Ratgeberliteratur“, wie wir sie in den Medien derzeit finden, erweisen sich in gleicher Weise als Totalausfall wie die Mehrheit der Künstler, der Intellektuellen, der Ärzte, der Juristen und der Oppositionspolitiker. Größtenteils rät der therapeutische Häppchenjournalismus zur Hinnahme des Vorgegebenen, einschließlich der politischen Rahmenbedingungen. Wilhelm Reich bezeichnete den psychoanalytischen Ansatz seines Lehrers Sigmund Freud auch als „Kulturanpassungslehre“. Seelische Gesundheit wird in systemkonformer Psychologie definiert als ein Mitschwimmen mit den herrschenden gesellschaftlichen Strömungen, als Abwesenheit von Leid verursachenden Widerständen. Die Seele wird so zur Knetmasse in den Händen von Politikern und Ökonomen.

„Radikal akzeptieren“

Ein besonders explizites Beispiel dieser „Anpassungslehre“ finden wir in einem Interview mit der Psychologin und Hochschul-Dozentin Hanna Christiansen im Magazin „Jetzt“. Zwar konstatiert auch Christiansen eine „Zunahme an psychischen Belastungen“ und räumt ein, „dass diejenigen, die schon vorher psychisch erkrankt und belastet waren, besonders leiden“. Sie berichtet von Briefen von Studentinnen mit massiven Angststörungen. Eine bahnbrechende Idee, was man dagegen tun könnte, hat aber auch sie nicht.

So schlägt die Psychologin vor, „weiterhin den Kontakt zu Freunden zu pflegen und sich zu treffen. Natürlich unter den geltenden Beschränkungen und Maßnahmen“. Das klingt ein wenig, als fürchte sie, dass der Ministerpräsident mitliest und als hätte sie Angst, geschimpft zu bekommen, falls sie sich nicht eilfertig zu den befohlenen Beschränkungen bekennt. Ein nicht untypischer Vorgang übrigens im Deutschland des Jahres 2020.

Was die Psychologin dann vorschlägt, um psychische Probleme in den Griff zu bekommen, wird Corona-Machtpolitiker freuen:

„Je mehr ich hadere und mir vor Augen führe, wie schrecklich alles ist, desto schlechter geht es mir. Besser ist es, die Situation radikal zu akzeptieren, da man sowieso nichts daran ändern kann. Wenn ich die ganze Zeit mit meiner Machtlosigkeit hadere, geht es mir nur noch schlechter.“

Also nicht versuchen, reale Machtlosigkeit zu reduzieren: zum Beispiel durch Teilnahme an Protesten, durch zivilen Ungehorsam und juristische Gegenwehr; nicht einmal innerlich mit der eigenen Machtlosigkeit hadern — sondern: „radikal akzeptieren“. Es mag sein, dass Akzeptanz in vielen Fällen psychische Erleichterung schafft. Was aber, wenn eine seelische Notlage durch Freiheitsentzug verursacht wurde — durch unterdrückten Selbstausdruck und verunmöglichte Authentizität? Kann Angepasstheit das Heilmittel sein, wenn Anpassungsdruck das krank machende Gift war?

Nur noch „Gefängnispsychologie“

Zugegebenermaßen ist die momentane Situation für Psychologinnen und Psychologen nicht leicht. Wir leben inzwischen in einer sehr stark durchstrukturierten Gesellschaft mit obrigkeitsstaatlichen Zügen, in der den Menschen ihr Verhalten im Wesentlichen diktiert wird — was die Herrschenden nicht daran hindert, sich beleidigt zu zeigen, wenn jemand das Wort „Diktatur“ verwendet. Therapie kann unter solchen Umständen kaum etwas anderes sein als Gefängnispsychologie. Sie laviert, doktert an eher sekundären Problemen herum und rät im Kern, sich mit dem Vorgegebenen zu arrangieren. Sie darf aber das einzige wirkliche Heilmittel nicht empfehlen: Freiheit. Denn eben der Weg in die Freiheit ist durch ein System struktureller Gewalt versperrt, dem der Gefängnispsychologe — ebenso wie die Insassen — unterworfen ist.

Im Kern hat jede Individualtherapie ja die Funktion, die Verantwortung für das eigene Lebensschicksal an den Einzelnen zu delegieren. Durch den Gang zum Psychotherapeuten räumt der Patient implizit ein, dass das Problem bei ihm liege, selbst wenn die Welt „draußen“ buchstäblich verrücktspielt und wenn allenthalben Kollektivneurosen sprießen.

Im Grunde müssten Therapeuten ihren Patienten raten: „Scheißen Sie auf den Staat und auf Regeln, brechen Sie aus, weinen Sie, wenn Ihnen nach Weinen ist, schreien Sie Ihren Zorn und ihren Schmerz heraus, ducken Sie sich niemals und richten Sie sich zu Ihrer vollen Größe auf. Seien Sie sperrig, unangepasst, kratzbürstig! Wehren Sie sich! Dann wird sich größere psychische Gesundheit schon einstellen.“

Einen solchen Rat aber würde niemand zu geben wagen — schon im Interesse des Patienten, dem als Folge des Aufbegehrens gegen Zwänge noch schlimmere Zwänge drohen: Zurechtweisung, Geldstrafe, Verlust der Existenz, gar Gefängnisstrafen. Schon lange vor Corona war nicht der im vollen Sinne „ausgewachsene“ Mensch gesellschaftlich erwünscht, sondern eher der in erforderlicher Weise zurechtgestutzte — ähnlich einem mit der Heckenschere in Form gebrachten Buchsbaum in einem Barockgarten. Tausendfaches psychisches Leid zu verursachen und den Erkrankten zugleich den wirksamsten Weg der Heilung zu versperren, ist die besondere Perfidie am momentanen Verhalten der Mächtigen.

Freiheit und Gesundheit sind eins

Dass eine derart „eingebettete“ Psychotherapie keine Selbstverständlichkeit ist, merken wir erst, wenn wir uns über Alternativen informieren. Für den schon erwähnte Wilhelm Reich (1897 bis 1957) war Freiheit die Grundvoraussetzung für psychische Gesundheit, weshalb er sich auch sehr für die Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen interessierte.

„Freiheit definieren ist identisch mit Definition der sexuellen Gesundheit“, schrieb Reich. „Es gibt eine sexualphysiologische Verankerung der sozialen Unfreiheit im menschlichen Organismus.“ Auch wenn Sexualität in unserem Kontext nur am Rande interessiert — gemeint ist, dass sich Unfreiheit im politischen und beruflichen Leben in Form von Verspannungen und Energieblockaden im Körper manifestiert. Umgekehrt hätte das Lösen solcher Blockaden Auswirkungen auf das gesellschaftliche Ganze. So lässt sich Reichs Unbehagen an herkömmlichen, System stabilisierenden Therapieformen mit einem Satz Adornos zusammenfassen: „Indem der Geheilte dem irren Ganzen sich anähnelt, wird er erst recht krank.“

Wilhelm Reichs Ansatz der therapeutisch und politisch brisanten „Energiebefreiung“ lebte in den bioenergetischen Therapierichtungen von Alexander Lowen und John Pierrakos weiter. Eine auch körpertherapeutisch begründete antiautoritäre Haltung, die für die Epoche der 1960er und 1970er-Jahre charakteristisch ist, findet man in den Schriften Alexander Lowens:

„Lust kommt aus dem freien Fließen der Kräfte innerhalb des Körpers oder zwischen ihm und seiner Umgebung. Macht entsteht, wenn Kraft aufgestaut und gesteuert wird. Damit ist der grundlegende Unterschied zwischen dem Lustmenschen und dem Machtmenschen umrissen. Macht lebt von Herrschaft.“

Staatsziel: Einengung des Bewusstseins

Da also — im Gegensatz zu den Ursprüngen der Psychoanalyse bei Freud — nicht Affektkontrolle mittels der Vernunftinstanz „Ich“, sondern „freies Strömen von Energien“ als höchster Wert angesehen wurde, barg die therapeutische Szene jener Jahre ein gesteigertes revolutionäres Potenzial, das die 1968er-Bewegung auch durchaus in diesem Sinne aufgriff. Weitgehend diskreditiert erschien das „Über-Ich“ als Vertreter der verinnerlichten gesellschaftlichen Normen. Gleichzeitig experimentierten Therapeuten wie Timothy Leary mit bewusstseinserweiternden Drogen — und auch dies konnte sich „systemsprengend“ auswirken.

Intendiert waren in den typischen „68er-Therapien“ vor allem zwei Dinge: Erweiterung des Bewusstseins und Erweiterung des Spektrums der Handlungsoptionen. Die gegenwärtige Corona-Politik bewirkt auf beiden Feldern das Gegenteil: Bewusstseinseinengung durch Angstmache und sich wiederholende Propaganda sowie eine extreme Begrenzung der Handlungsmöglichkeiten auf nur wenige erlaubte Bereiche: zu Hause hocken, einkaufen, malochen. Bioenergetisch kann man auch sagen: Diese Politik bewirkt krank machende Energieblockaden. Symbolisch und auch real manifestiert sich dies speziell in der Einschränkung der Möglichkeit, frei ein- und auszuatmen infolge des Maskenzwangs — ein in der Geschichte einzigartiger Anschlag auf die kollektive Gesundheit.

Depression als Form der Autoaggression

Depression kann auch als eine Form der autoaggressiven Verarbeitung von Reizen verstanden werden. Die Gefahr einer Erkrankung steigt, wenn Aggressionen wachgerufen werden, jedoch keine Möglichkeit besteht, diese auszudrücken. Entweder, weil der Gegner (Staat) zu stark erscheint oder weil eine innere Blockade existiert. Weil sich der Einzelne zum Beispiel selbst rücksichtslos vorkommt, weil ihm die Abstandregeln auf die Nerven gehen. Man unterdrückt dann seine Wut auf die Gängelung durch den Staat, weil man rational meint, diese sei notwendig.

In der Traumatherapie wird ausführlich die Frage behandelt, was geschieht, wenn jemand Wut, anstatt sie auszuleben, quasi wieder in sich zurücknimmt. So etwa in Isa Grübers Buch „Was der Körper zu sagen hat“. Die Autorin beschreibt darin zwei Weisen, wie sich Wut nach einer Traumatisierung ausdrücken kann:

„Entweder als nach außen gerichteter Kampfimpuls, der abgebremst und zurückgehalten wurde und nun auf seine Vollendung wartet, oder als nach innen gerichteter Impuls, wenn durch das Kollabieren die Kampfreaktion ‚in sich zusammenfiel‘, die innere Ladung aber immer noch vorhanden ist. Die Folge sind oftmals autoaggressive Handlungsmuster.“

Betrachten wir die Erfahrungen, die die meisten Menschen derzeit mit Corona machen, einmal als eine meist vergleichsweise milde Form von Schock und Traumatisierung. Wenn der Organismus unter Dauerstress steht, die natürlichen Bewältigungsformen Kampf und Flucht jedoch unmöglich scheinen, bleibt als drittes „Totstellen“, eine Art Betäubungsgefühl, das Einfrieren der Gefühle. Der Betroffene fühlt sich dabei unlebendig und wie benommen, wirkt desorientiert, verliert den Kontakt zu sich selbst und den Mitmenschen. Auch dies ist eine Form der „Verankerung der sozialen Unfreiheit im menschlichen Organismus“, so Wilhelm Reich. Wer unterdrückt wird und auch noch seinen Ärger über das Unterdrücktsein unterdrücken muss, wirkt niedergedrückt. Zu viel Eindruck und zu wenig Ausdruck erzeugt Druck.

Die verratenen Braven

Vielfach werden die Menschen auch durch ihre Enttäuschungsgefühle niedergedrückt — zum Beispiel darüber, dass ihre bisherigen Anstrengungen — der Verzicht, die „Bravheit“ — nicht belohnt wurden. Viele dachten zu Anfang der Krise: „Wir machen das jetzt eine Weile mit. Je konsequenter wir uns einschränken, desto eher bekommen wir dann unser altes Leben zurück.“ Eine Rückkehr zur ursprünglichen Freiheit aber war von den Mächtigen nie vorgesehen. Wir beobachten also bei den „Rebellen“ die Enttäuschung darüber, dass ihr Einsatz für Freiheit und Demokratie nicht gewürdigt wird, dass sie dafür sogar noch beschimpft und ausgegrenzt werden. Und wir finden bei den „Angepassten“ die Enttäuschung darüber, dass der Verzicht auf Freiheit keineswegs zur Wiedererlangung dieser Freiheit führte.

Vielfach findet seitens der Etablierten sogar eine „Publikumsbeschimpfung“ statt. Verbreitet wird das Narrativ, dass allein der „Leichtsinn“ der Bürger dazu geführt habe, dass Freiheit und Wirtschaftsleben eingeschränkt werden mussten. Tod und Krankheit hat es zwar immer schon gegeben, doch auf einmal sind sie unsere Schuld. Dabei können andere Faktoren eine größere Rolle gespielt haben: die mangelnde Wirksamkeit von Masken, eine gewisse Eigendynamik der Viruserkrankung, die Herabsetzung der Abwehrkräfte durch seelische Misshandlung und verordnete Freudlosigkeit, die Unberechenbarkeit des Lebens beziehungsweise des Todes selbst. Und natürlich wurde ein Großteil des Problems durch das mediale Vergrößerungsglas erst geschaffen.

Die Bevölkerung fühlt sich derzeit wie ein ungeliebtes „Kind“, das der Anerkennung seines „Vaters“ (Staat) vergebens hinterherläuft. Wie der berühmte Esel einer Mohrrübe, die sein Reiter ihm mit einer Angelrute vor die Nase hält. Das Tier verausgabt sich daraufhin bis zur Erschöpfung, ohne jemals sein Ziel zu erreichen. So auch im gerade durchlebten „Lockdown light“, bei dem die Politik schon erbrachte Opfer der Bevölkerung damit „würdigt“, dass immer noch weiter gehende Opfer verlangt werden — bis alles Leben im Endstadium einfriert wie das Schloss der Schneekönigin im Märchen. Dies zermürbt und frustriert, manövriert Menschen in eine Situation gefühlter Ausweglosigkeit hinein.

Die gewollte Depression

Ist die kollektive Depression politisch gewollt? Mitunter ja. Jedenfalls wird sie in Kauf genommen. Ihre Ausbreitung wird nicht ansatzweise als ein Grund dafür betrachtet, die Corona-Maßnahmen abzumildern. „Da müssen die durch.“ Eine kollektiv niedergedrückte, ausdrucksgehemmte Bevölkerung ist leichter handhabbar. Man kann ihr auch leichter weitere Zwangsmaßnahmen aufzwingen, weil ihr Stolz ja schon gebrochen, das Selbstwertgefühl nur noch in stark reduzierter Form vorhanden ist. Nach Monaten einer solchen „Behandlung“ sind viele Menschen vielleicht so sehr mit sich im Unreinen, dass sie meinen, nichts Besseres als diese Regierung verdient zu haben.

Zudem schwächen psychische Probleme die Abwehrkräfte, machen anfällig für allerlei Krankheiten, speziell auch Virus-Infektionen. Diese erlauben es den Regierenden dann im zweiten Schritt, triumphierend wieder steigende Infektionszahlen zu „präsentieren“ und als Konsequenz noch härtere Maßnahmen zu verhängen. Und so weiter in einem endlosen Teufelskreis.

Die falsche Entscheidung

Im ersten Flugblatt der Widerstandsbewegung „Die Weiße Rose“ steht: „Vergesst nicht, dass ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt!“ Auf die Zumutungen der Politik depressiv-autoaggressiv statt extrovertiert und wehrhaft zu reagieren, ist eine Urentscheidung, die die Mehrheit der Menschen — überwiegend wohl unbewusst — für sich getroffen hat. Es ist die falsche Entscheidung, weil jeder Monat, in dem die Depression andauert, unsere Entschlusskraft und unser Selbstwertgefühl weiter schwächt.

Dennoch ist eine Umkehr grundsätzlich möglich. Der Freiheitsdrang einer Mehrheit der Menschen kann auch nach Jahrzehnten andauernder Unterdrückung durchbrechen. „Wir wissen immer, was die Wahrheit ist, egal wie lange wir ohne sie gelebt haben“, sagt Kate Winslet in dem Hollywood-Drama „Zeiten des Aufruhrs“. Kein System des Zwanges und der Manipulation hat sich je so lückenlos über ein Land gelegt, dass nicht irgendwo, irgendwann Freiheitsimpulse durchbrachen. In der ehemaligen DDR muss es wohl so gewesen sein. Allerdings sind die Menschen dort vom realsozialistischen Regen in die kapitalistische Traufe geraten.

Heute gibt es keinen „Westen“ mehr, also kein vermeintlich freies Ausland, das als Vergleichsgröße und als Sehnsuchtsort taugt. Keinen Ort im „Außen“, von dem her die Befreiung für die in einem rigiden Gesundheitstotalitarismus eingesperrten Menschen kommen könnte. „Il n’y a plus d’Amérique“ sang der große Chansonier Jacques Brel. Es gibt kein Amerika mehr — keinen Ort der Zuflucht, kein Neuland, das neue Freiheiten eröffnet, keine wohlwollende Schutzmacht, die uns behütet. Im genannten Sinn ist auch Amerika längst kein Amerika mehr.

Wir haben jetzt nur noch uns. Wir haben die Erinnerung daran, was wir in den relativ guten Jahren Nachkriegsdeutschlands über die Freiheit gelernt haben. An die Ideale, die wir einmal als gut erkannt haben und in uns wachsen ließen. An das, was wir geworden sind und aus uns gemacht haben, als wir der Deformation noch nicht so stark ausgesetzt waren wie heute. Diese Erinnerung ist unser Menschlichkeits-Depot, unser Wärmevorrat, von dem wir im Winter zehren können. Unser Restfeuer, das wir in kleiner Flamme am Brennen halten müssen, bevor sie es ganz ersticken. Und das vielleicht einmal wieder größer werden kann — angefacht von einem neuen „Wind of Change“, der den Mächtigen, die sich jetzt obenauf wähnen, ganz kräftig ins Gesicht blasen wird.

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Die wiederkehrende deutsche Krankheit

Wieder fahren unsere Landsleute die Demokratie gegen die Wand und reden sich damit heraus, dass sie dabei nur Befehle befolgen. Sie diktieren uns bis ins Private hinein, wie wir zu leben haben — und geben sich beleidigt, wenn wir das „Diktatur“ nennen. Sie verhalten sich so autoritär und brutal, dass sich Vergleiche mit der Nazi-Zeit geradezu aufdrängen — und versuchen dann jedem den Mund zu verbieten, der solche Vergleiche anstellt. Dieses Land verwandelt sich Schritt für Schritt in einen totalitären Albtraum, aber sie selbst trifft daran keine Schuld, denn sie haben ja nur Befehle befolgt. Ein Schelm, wem dabei alte, wenig schmeichelhafte Klischees über Pickelhauben tragende, „Jawohl“ brüllende Deutsche in den Sinn kommen. Was ist nur mit unseren Landsleuten los, dass sie Freiheit und Demokratie immer nur für kurze Zeit aushalten? Eine hellsichtige Betrachtung aus der Perspektive des US-amerikanischen Satirikers C. J. Hopkins

Drehen Sie den Wagner voll auf, meine Lieben … die Deutschen, sie sind wieder da! Nee, nicht die lieben, fluffigen, sanften, friedlichen Nachkriegsdeutschen … die Deutschen! Sie wissen schon, welche ich meine. Die „ich hatte ja keine Ahnung, wohin die Züge fuhren“-Deutschen. Die „ich hab nur gemacht, was man mir befohlen hat“-Deutschen. Die anderen Deutschen. Ja … diese Deutschen.

Falls Sie es nicht mitbekommen haben: Am 18. November 2020 verabschiedete das deutsche Parlament ein Gesetz, das sogenannte „Infektionsschutzgesetz“, das der Regierung formell die Befugnis einräumt, unter dem Vorwand des Schutzes der öffentlichen Gesundheit beliebige Verordnungen zu erlassen.

Die Regierung machte dies bis dato ohnehin schon — sie verordnete Lockdowns, Ausgangssperren, Reiseverbote, erließ Demonstrationsverbote, veranlasste Haus- und Geschäftsdurchsuchungen, befahl allen das Tragen von medizinischen Masken, verhaftete Widerständler und so weiter, aber ab jetzt ist das alles durch den Bundestag „legitimiert“, gesetzlich verankert und vermutlich mit einem jener verschnörkelten offiziellen Stempel geschmückt, die deutsche Bürokraten so gerne benutzen.

Aber dieses „Infektionsschutzgesetz“, das in Windeseile durch das Parlament getrommelt wurde, ist freilich in keinster Weise vergleichbar mit dem „Ermächtigungsgesetz von 1933“, das der Regierung formell die Befugnis einräumte, zum Zwecke der Beseitigung der Not des Volkes beliebige Verordnungen zu erlassen. Ja, mag schon sein, dass das recht ähnlich klingt, aber die Regierung und die deutschen Medien versichern, dass es absolut überhaupt keine Ähnlichkeit gebe, und jeder, der irgendetwas in dieser Richtung behauptet, sei „ein rechtsextremer AfD-Extremist“, „ein Neonazi-Verschwörungstheoretiker“ oder „ein Anti-Impfung-Esoteriker“ oder weiß der Geier.

Am Tag der Legitimierung des Schutzgesetzes — ich spreche vom aktuellen, nicht von dem von 1933 — versammelten sich Zehntausende anti-totalitäre Demonstranten auf den Straßen, viele von ihnen hielten ein Exemplar des Grundgesetzes hoch, das zur selben Zeit nur weniger Meter entfernt vom Parlament außer Kraft gesetzt wurde. Mehrere Tausend Bereitschaftspolizisten marschierten auf, erklärten die Demonstration für „illegal“ — weil viele Demonstranten keine Masken trugen —, verprügelten und verhafteten Hunderte und beschossen den Rest mit Wasserwerfern.

Die deutschen Medien — die total objektiv sind und nicht in geringster Weise mit Goebbels’ Propagandaministerium in der Nazizeit verglichen werden können — hämmerten der deutschen Öffentlichkeit pflichtschuldig ein, dass diese Demonstranten allesamt „Corona-Leugner“, „Rechtsextremisten“, „Verschwörungstheoretiker“, „Impfstoffgegner“, „Neonazis“ und dergleichen waren, sie bekamen also eigentlich nur, was sie verdienten. Außerdem betonte ein Sprecher der Berliner Polizei, die null Komma null Ähnlichkeit mit der Gestapo oder der Stasi oder anderen berüchtigten Schlägertruppen zur Durchsetzung offizieller Ideologien hat, ausdrücklich, dass die Demonstranten mit den Wasserwerfern nur „beregnet“ worden seien — sprich: Der Strahl wurde nicht direkt auf Einzelpersonen gerichtet —, weil es so viele „Corona-Leugner“-Kinder in ihren Reihen gegeben habe.

In den Augen der Regierung, der deutschen Medien, der Intelligenzia und im Grunde genommen jeder Person des öffentlichen Lebens, die ihren Job oder ihre Stellung behalten will, entwickeln sich diese „Corona-Leugner“ zu einem Problem. Sie verbreiten haltlose „Verschwörungstheorien“, stellen eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar und bringen Not und Elend über das deutsche Volk, indem sie Behauptungen aufstellen wie etwa solche, dass die überwiegende Mehrheit der Infizierten nur leichte bis mittelschwere Grippesymptome aufweise, oder sogar häufiger gar keine Symptome, und dass über 99,7 Prozent überleben würden.

Sie laufen nicht wie Alltags-Chirurgen mit Maske durch die Gegend und untergraben so die Bemühungen der Regierung und der Medien, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass diese von einer apokalyptischen Seuche heimgesucht wird. Sie stellen wissenschaftliche Informationen ins Netz. Sie veranstalten die eben erwähnten Proteste und bezweifeln, dass die Regierung das Recht besitzt, einen „gesundheitlichen Notstand“ auszurufen, das Grundgesetz auf unbestimmte Zeit außer Kraft zu setzen und die Gesellschaft per Verordnung und mit Gewalt zu regieren.

Obwohl Regierung und Medien jeden, der nicht brav das offizielle Narrativ von der „Neuen Normalität“ nachplappert, als „gefährlichen neonazistischen Corona-Leugner“ dämonisieren, wächst die Bewegung der „Corona-Zweifler“ nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Ganz offenkundig ist für Deutschland nun die Zeit gekommen, härter gegen diese Gefahr vorzugehen. Die Gesundheit des Vaterla … äh, der Nation, steht auf dem Spiel! Zum Glück ermächtigt dieses „Infektionsschutzgesetz“ die Regierung, eine Art … na, Sie wissen schon, Lösung zu entwerfen und auszuführen.

Es kann doch nicht sein, dass man diesen degenerierten antisozialen Abweichlern erlaubt, die absolute Macht der deutschen Regierung anzuzweifeln, nicht in einer Zeit des nationalen Gesundheitsnotstands! Diese „mit Nazis sympathisierenden Corona-Leugner“ müssen ausgemerzt und bekämpft werden. Keine Gnade!

Ich bin mit den Einzelheiten natürlich nicht vertraut, aber wir sind hier ja in Deutschland, also kann ich mir vorstellen, dass eine Art Sondereinsatzkommando eingerichtet wurde, das sich effizient mit der „Corona-Leugner-Frage“ befasst. Erste Schritte wurden offenbar bereits eingeleitet. Man entzog Alternativen Medien die Plattform — den Leitmedien zufolge handelt es sich um „Querfront-Magazine“. Im April wurde eine bekannte Anwältin des Widerstands gewaltsam in die Psychiatrie eingewiesen. Behörden und Medien versicherten uns, dass dies nichts mit ihrer Widerstandshaltung oder den Klagen zu tun habe, die sie gegen die Regierung erhob; sie wurde nur zufällig völlig paranoid. Schwerbewaffnete Polizisten verhafteten einen YouTuber, obwohl nicht ganz klar ist, weswegen, da die Behörden keine Details veröffentlichen und die Mainstream-Medien nicht darüber berichten.

Im Vorfeld der Demonstration vom 29. August 2020, bei der die Regierung einigen Neonazis de facto die Erlaubnis einräumte, „den Reichstag zu stürmen“, damit die Medien sie filmen und den eigentlichen Protest diskreditieren konnten, ging ein deutscher Politiker so weit, die Deportierung der „Corona-Leugner“ zu fordern … irgendwohin, wohl mit Zügen in den Osten.

Aber mal im Ernst, ich will nicht auf den Deutschen herumhacken. Ich liebe die Deutschen. Ich lebe in Deutschland. Und sie sind beileibe nicht die Einzigen, die den neuen pathologisierten Totalitarismus umsetzen.

Nur ist es Anbetracht ihrer nicht allzu weit zurückliegenden Geschichte ziemlich deprimierend und mehr als nur ein bisschen beängstigend, zuzusehen, wie sich Deutschland wieder in einen totalitären Staat verwandelt, in dem die Polizei die Maskenlosen auf den Straßen jagt und Restaurants, Bars und Wohnungen durchsucht; einen Staat, in dem kleine deutsche Gutbürger im Stechschritt an den Schaufenstern der Yogastudios vorbeimarschieren und prüfen, ob dort womöglich gegen „Regeln des Social Distancing“ verstoßen wird; einen Staat, in dem ich nicht spazieren gehen oder Lebensmittel einkaufen kann, ohne von feindselig starrenden Deutschen umringt zu werden, die mich wutentbrannt beschimpfen, weil ich keine Maske trage und auch im Übrigen nicht hirnlos Befehlen gehorche, und die mich wie Roboter mahnen: „Es ist Pflicht! Es ist Pflicht!“

Ja, mir ist vollkommen bewusst, dass es Pflicht ist. Letzte Zweifel, ob es Pflicht ist, waren spätestens dann beseitigt, als der Berliner Senat diese charmante Anzeige schaltete und mir ein „Fick dich“ entgegenschleuderte, wenn ich ihren „Corona-Befehlen“ nicht gehorchen und meinen Glauben an ihre neue Große Lüge bekennen will.

Doch halt, bevor die Oberliteraten mich mit empörten E-Mails überschwemmen: Nein, ich nenne diese Deutschen nicht „Nazis“. Ich nenne sie Totalitaristen. Wer mit all dem Wissen, über das wir inzwischen verfügen, immer noch so tut, als ob dieses Coronavirus in irgendeiner Weise die immer absurderen „Notstandsmaßnahmen“ rechtfertigt, denen wir unterworfen sind, sorry, aber der ist genau das.

Vielleicht halten die Leute sich selbst nicht dafür … Totalitaristen erkennen das immer erst, wenn es viel zu spät ist.

Totalitarismus funktioniert wie eine Sekte. Er wabert heran, kriecht langsam empor, Lüge um Lüge, Anpassung um Anpassung, Rechtfertigung um Rechtfertigung … bis am Ende ein irrer kleiner narzisstischer Nihilist ganz oben steht und sich aufmacht, die Welt neu zu gestalten. Man kapituliert nicht von einem Tag auf den anderen. Es geschieht im Laufe von Wochen und Monaten. Und unmerklich wird es zur Realität. Man erkennt nicht, dass man Teil davon ist, denn alles, was man sieht, gehört dazu, und alle, die man kennt, sind in ihr enthalten … mit Ausnahme der Anderen. Der „Leugner“. Der „Abweichler“. Der „Ausländer“. Der „Fremden“. Der „Covidioten“. Der „Virusverbreiter“.

Sehen Sie, obwohl sich Narrative und Symbole ändern können, Totalitarismus bleibt Totalitarismus. Es spielt eigentlich keine Rolle, welche Uniform er trägt oder welche Sprache er spricht … es ist und bleibt dieselbe Abscheulichkeit. Er ist ein Götzenbild, ein Simulakrum der Hybris des Menschen, aus dem Lehm des Geistes der Massen von größenwahnsinnigen geistigen Krüppeln geformt, die auslöschen wollen, was sie nicht kontrollieren können. Und sie wollen stets alles kontrollieren. Alles, was sie an ihre Schwäche und ihre Scham erinnert. Sie. Mich. Die Gesellschaft. Die Welt. Lachen. Liebe. Ehre. Glaube. Die Vergangenheit. Die Zukunft. Das Leben. Den Tod. Alles, was ihnen nicht gehorchen will.

Leider hört so etwas, wenn es einmal angefangen hat und das Stadium erreicht hat, in dem wir uns gerade befinden, in den meisten Fällen nicht mehr auf. Nicht, bevor Städte in Ruinen liegen oder Felder mit menschlichen Schädeln übersät sind. Es kann zehn oder zwölf Jahre dauern, bis wir dort sind, aber täuschen Sie sich nicht, darauf steuern wir zu, darauf steuert Totalitarismus immer zu … Und wenn Sie mir nicht glauben, fragen Sie einfach die Deutschen.

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Unsere Kinder: Verraten und verkauft.

Millionen Kinder verbringen ihre prägenden Jahre unter Masken- und Hygienezwang — sie dürften mit schweren Schäden in ihr Leben starten. „Die Kinder schützen vor allen Gefahren ist doch meine verdammte Vaterpflicht“, sang Reinhard Mey. Schutz bräuchte unser Nachwuchs derzeit vor allem vor dem rigiden Corona-Regime an Schulen. Unseren Söhnen und Töchtern wird durch Maskenzwang und Abstandsregeln, durch ständiges Lüften bei Eiseskälte und die Unterdrückung ihrer vitalen Bedürfnisse nach Kontakt und Unbefangenheit schwerer Schaden zugefügt — körperlich wie seelisch. Zudem wird ihr Selbstvertrauen durch die andauernde Suggestion gebrochen, sie seien ein wandelndes Ansteckungsrisiko. „Nebenbei“ werden noch Konformismus und Unterwerfung unter Zwänge trainiert. Welche Generation wächst da heran? Halten wir unsere Kinder für nicht systemrelevant und opfern wir sie deshalb nur allzu bereitwillig auf dem Altar des herrschenden Corona-Narrativs? Wir müssen uns endlich wehren gegen die organisierte Lieblosigkeit, der unsere Kinder ausgesetzt sind.

Ich bin seit Monaten zutiefst entsetzt darüber, wie letztlich allein auf Basis von massenhaften PCR-Testungen sich kollektiv eine ganze Gesellschaft, ganze Nationen, in Spaltung und vor allem Irrationalität führen lassen.

Seit Wochen frage ich mich: Wo ist die sogenannte akademische Elite Europas aus Historie, Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie, die sich erhebt und ruft: Es reicht!
Mit einem totalen „Krieg gegen das Virus“, so Emmanuel Macron, werden — wie in jedem Krieg — tausende oder Millionen „Zivilisten“ — in diesem Fall Gesunde — ihre Existenz verlieren, krank gemacht, letztlich getötet.

Wo sind die vielen Prominenten Europas aus Wissenschaft, Kunst, Literatur, Musik und Film, die gemeinsam an die Öffentlichkeit treten und rufen: Es reicht! Wir fordern ein Ende des nicht nur medialen Covid-19-Totalitarismus!

Vor drei Jahren schrieb der renommierte deutsche und in Wien lebende Historiker Philipp Blom das mahnende Buch: „Was auf dem Spiel steht!“ Mittlerweile steht alles auf dem Spiel: Menschenrechte, sozialer Frieden, Freiheit, Demokratie, Wohlstand, Arbeit, Toleranz, die Volksgesundheit — nicht wegen des Virus, sondern der in hohem Maße Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen wie „Lockdown“ — und schlicht auch die Würde des Menschen.

Für all diese humanen Errungenschaften haben Menschen teils Jahrhunderte gekämpft und viele ihr Leben gelassen. Diese Errungenschaften sind kein Naturgesetz, nicht teilbar, nicht verhandelbar, nicht interpretierbar und auch nicht messbar.

Nicht ohne Grund gab uns der größte Friedensstifter aller Zeiten, Mahatma Gandhi, mahnend mit auf den Weg: Wer das Unrecht schweigend hinnimmt, macht sich mitschuldig!

Zur Erinnerung: Totalitarismus und Faschismus sind geistige Kinder Europas. Zwischen 1914 und 1970 haben in allen Welt- und Bürgerkriegen, in allen totalitären Gesellschaften Europas, sowohl mit rechten als auch mit linken Ideologien, rund 100 Millionen Menschen das Leben gelassen.

Alle totalitären Systeme Europas — Nationalsozialismus, Stalinismus, italienischer Faschismus, Francos Diktatur in Spanien et cetera — sie alle wurden nicht durch die Machthabenden, nicht durch die Führer und Befehlshaber ermöglicht, sondern ausnahmslos und immer wieder durch die tolerierende oder schweigende Mehrheit. Durch die Denunzianten, aber auch durch die Mutlosen und Ängstlichen. Durch die um ihr Hab und Gut Besorgten. Am Ende verloren fast alle dennoch Alles: Hab und Gut, Ehre und Menschenwürde.

Ich schreibe hier nicht als Verschwörer oder Querdenker, sondern in erster Linie als Vater.

Noch am Weltspieltag für Kinder am 29. Mai und zum Weltkindertag am 1. Juni waren die meisten öffentlichen Spieleinrichtungen für Kinder geschlossen, Biergärten und Baumärkte hingegen bereits wochenlang geöffnet.

Eine Gesellschaft, die implizit sagt, Kinder und Jugendliche sind nicht „systemrelevant“, will keine Zukunft!

Seit spätestens Ende März und bis heute ergaben alle internationalen Studien zu SARS-CoV-2 Folgendes: Kinder und Jugendliche spielen für das Infektionsgeschehen keinerlei Rolle, sie infizieren sich selten und wenn überhaupt, werden sie in der Regel gar nicht krank (Swiss Policy Research).

Ein positives PCR-Testergebnis bedeutet nicht automatisch: infiziert! Das müsste mittlerweile jedem Journalisten — auch in Deutschland — bekannt, verständlich und nachvollziehbar sein. Und infiziert mit SARS-CoV-2 heißt nicht automatisch, dass man an Covid-19 erkrankt.

Nicht ohne Grund weist jeder PCR-Test-Hersteller darauf hin: Der Test ist für diagnostische Zwecke nicht geeignet.

Daher sind Maskenzwang und Quarantäne bei Kindern und Jugendlichen, allein auf Basis eines positiven PCR-Tests Misshandlung an Schutzbefohlenen und schlicht ein Menschheitsverbrechen. Denn dafür gibt es bis heute keine einzige evidenzbasierte medizinische und damit auch keine rechtliche Rechtfertigung.

Die Initiative „Eltern stehen auf“ hat bundesweit eine Umfrage unter Schülern zum Maskenzwang an Schulen durchgeführt. Ein erster Zwischenbericht von 2.300 Fragebögen ergibt folgendes verheerendes Bild:

Beispielsweise leiden an Atembeschwerden 44,1 Prozent der befragten Schüler. An Kopfschmerzen 73 Prozent, an Müdigkeit 86,4 Prozent, an Konzentrationsstörungen 65,7 Prozent, an Schwindel 38 Prozent und an Angstzuständen rund 36 Prozent.

Zur Erinnerung: Jahrhunderte waren die Schulen Europas in erster Linie ein Ort religiöser, politischer oder ideologischer Indoktrinierung und ebenso ein Ort der Gewalt. Mich beklemmt seit Monaten das Gefühl, als würde Europa seit März alle negativen Geister der letzten Jahrhunderte sprichwörtlich mit einem Schlag aus der Flasche frei lassen.

Nun ein kleiner Auszug der Zwischenauswertung von 2.300 Fragebögen an vornehmlich deutschen Kindergärten und Schulen im Jahr 2020:

In manchen Krippen und Kindergärten müssen die Eltern ihre Kinder an der Tür abgeben, auch in der sogenannten Eingewöhnungsphase, weil den Erwachsenen das Begleiten verboten ist!

Schulklassen sitzen mit Masken und feuchten Jacken den ganzen Tag in Schulräumen mit geöffnetem Fenster!

Immer wieder kollabieren Schüler wegen des Maskentragens und werden obendrein auch noch mit Denunziation und Ausgrenzung bestraft!

Immer wieder wird jungen Menschen suggeriert, wer keine Maske trägt, sei ein Mörder! Mittlerweile belegen jedoch dutzende Studien, dass das Tragen von Alltagsmasken zur Eindämmung der Virusverbreitung absolut nichts bringt.

Schüler dürfen nur noch nach Zeitplan trinken und zur Toilette gehen, nicht nach Bedürfnis!

In manchen Schulen ist es nach dem Schwimmunterricht nicht mehr erlaubt, sich zu duschen und die Haare zu föhnen!

Immer wieder wird Kindern massiv Angst gemacht, mit dem Argument: Wenn du keine Maske trägst, bist du schuld, wenn Oma und Opa sterben!

Diese Aufzählung ist Wahnsinn, ist Pathologie. Hier werden Gesunde krank gemacht.
Eine Menschenrechtskatastrophe.

Mit welchem Recht — im doppelten Sinn des Wortes — rauben wir einer ganzen Generation von Kindern und Jugendlichen schlicht Alles? Beziehung und Freundschaft, Bildung und Ausbildung, Sport und Gesundheit, Freiheit und Selbstwirksamkeit, den Erwerb lebenswichtiger Kompetenzen, schlicht vollständig die Zukunft!

Kürzlich sprach die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, in der 41. Sitzung des Menschenrechtsrates von einer „Menschenrechtskatastrophe“. „Wenn aber die Rechtsstaatlichkeit nicht respektiert wird, droht der Gesundheitsnotstand zu einer Menschenrechtskatastrophe zu werden, deren negative Auswirkungen die der Pandemie selbst längst übertreffen werden“, warnte die UN-Hochkommissarin.

An alle Höchst- und Verfassungsrichter Deutschlands: Beendet sofort alle Covid-19-Maßnahmen für junge Menschen, für Kinder und Jugendliche, beendet die Maskenpflicht und Schulschließungen, beendet die übertriebenen Hygiene- und Abstandsregeln, kommt zu Verstand!

Die junge Astrid Lindgren, Autorin von Pipi Langstrumpf, schrieb in den 1940er Jahren in ihr Tagebuch: „Die Menschheit hat den Verstand verloren.“

Schweden im Jahr 2020. Dieses Land hat bis heute keinen Lockdown durchgeführt, noch eine generelle Maskenpflicht eingeführt. Keine Schulschließungen und vor allem keinen Maskenzwang für Kinder und Jugendliche. In Schweden sind bis heute nicht die von Angela Merkel, Sebastian Kurz, Christian Drosten und Co. prophezeiten hunderttausend Menschen gestorben. Schweden macht die Gesunden nicht krank und misshandelt seine Kinder und Jugendlichen nicht mit Maskenzwang.

Kann es sein, das Covid-19 in vielen Teilen Europas zu einem politischen Virus mutiert ist? Ein kleines, aber möglicherweise klärendes Detail am Rande: Schweden ist bis heute weder in der Eurozone noch Mitglied der NATO. Während sich beispielsweise Deutschland und Österreich im zweiten „Lockdown“ befinden, sind in der angrenzenden Schweiz Schulen, Restaurants, Fitnessstudios, Kinos et cetera geöffnet.

Erstes Urteil zur generellen Quarantänepflicht

Ein portugiesisches Berufungsgericht (Tribunal da Relação de Lisboa) hebt als erstes Gericht Europas mit Urteil vom 11. November 2020 die generelle Quarantänepflicht für positiv Getestete auf. Seine Begründung: Für Gerichte gilt der Grundsatz „in dubio pro reo“. Die PCR-Tests seien unzuverlässig und positiv getestet bedeute weder zwangsläufig ansteckend noch infiziert. Eine medizinische Diagnose, so das Gericht, könne nur ein Arzt stellen (Das Original-Gerichtsurteil ist abrufbar unter: https://www.infosperber.ch/Artikel/Gesundheit/Berufungsgericht-PCR-Positive-sind-nicht-alle-ansteckend1).

Kann es sein, dass wir lediglich Zeugen eines gigantischen und historisch beispiellosen medizinisch-politischen Macht-Missbrauches sind? Dass hier ein Virus als Sündenbock für etwas Anderes missbraucht wird?

Kinder und Jugendliche sind keine Virusgefahr für die Gesellschaft, auch nicht für die Alten, Kranken und Betagten. Kinder sind und bleiben unsere einzige Zukunft!

Wer das Lachen eines Kindes nicht erträgt, wer die mentale Gesundheit eines Kindes nicht erträgt, wer Kinder zu Masken und Abstandsgeboten zwingt, ist selbst krank. Nicht erkrankt an Covid-19, sondern an Lieblosigkeit, Ignoranz, Hass und Entmenschlichung.

Eines zeigt die Geschichte der Menschheit beeindruckend: Keine Seuche, kein einziges Virus kann so viel Not, Leid, Krankheit, Elend und auch Tod verursachen wie eine mental kranke Gesellschaft, die menschliche Anmaßung und vor allem die Selbstüberschätzung. Davor sollten wir unsere Kinder schützen. Das ist unsere verdammte Pflicht.

Eine Auswahl an internationalen Forschungsergebnissen zu SARS-CoV-2 und Kindern beziehungsweise Jugendlichen:

  • Der isländische Tracing-Pionier Kari Stephanson, CEO von deCODEgenetics, fand keinen einzigen Fall, in dem ein Kind unter zehn Jahren seine Eltern angesteckt hat.
  • Der Direktor der US-CDC (Center for Disease Control and Prevention), Robert Redfield, erklärte, dass die Anzahl der zusätzlichen Selbstmorde und Drogentoten bei Jugendlichen in den letzten Monaten weitaus größer gewesen sei als die Covid-19-Todesfälle.
  • Ebenso laut der US-staatlichen Gesundheitsbehörde CDC starben seit Jahresbeginn 2020 dreimal mehr Kinder bis 14 Jahre an Influenza als an Covid-19 (101 versus 31). Um das einmal in Relation zu setzen: Die USA hat rund 328 Millionen Einwohner und der generelle psychische wie physische Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen ist in den USA seit über 20 Jahren so konstant schlecht wie in keinem anderen westlichen Land. Schon vor Covid-19 und seit Jahren sind in den USA rund 2,5 Millionen Kinder obdachlos.
  • Ein gemeinsamer Bericht von Schweden (ohne Schließung der Grundschulen) und Finnland (mit Schließung der Grundschulen) kam zum Ergebnis, dass sich die Infektionsraten bei Kindern in den beiden Ländern nicht unterschieden. Veröffentlicht wurde dieser gemeinsame staatliche Bericht von Schweden und Finnland über die internationale Presseagentur Reuters, die darüber am 15. Juli 2020 berichtete. Also Wochen bevor in einigen deutschen Bundesländern wie NRW oder Bayern der staatliche Corona-Terror an Schulen eingeführt wurde.
  • Eine britische Studie fand heraus, dass bis zu 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen und circa 6 Prozent der Erwachsenen bereits über kreuzreaktive Antikörper gegen das neue Coronavirus verfügen, die durch den Kontakt mit bisherigen Coronaviren entstanden sind.
  • Nach dem ersten Lockdown hat Sachsen als erstes Bundesland mit dem Regelschulbetrieb begonnen, der von der Dresdner Universität wissenschaftlich begleitet wurde. Studienleiter Reinhard Berner erklärte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen am 13. Juli, dass Kinder in Hinsicht Covid-19, zusammengefasst gesagt, eher als Bremsklötze der Infektion denn als Überträger wirken.
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Arm. Ärmer. Deutschland.

Vor genau zehn Jahren führte der Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales eine öffentliche Anhörung zum Thema Armut im Alter durch. Der Vertreter der Deutschen Rentenversicherung suchte alarmierende Prognosen mit der Feststellung zu beruhigen, Altersarmut sei kein akutes Problem, da weniger als drei Prozent der über 65-Jährigen Grundsicherung im Alter bezögen. Heute erscheint die Lage bedrohlicher – und in naher Zukunft wird sie sich zuspitzen.

Die Bildzeitung brachte am 4. August die Schlagzeile: „Jedem Dritten droht Rente auf Hartz-IV-Niveau“. Sie stützt sich bei der Meldung auf eine parlamentarische Anfrage der AfD. Offensichtlich haben sich hier zwei Helfershelfer des Neoliberalismus zusammengetan, um mit Ängsten der Menschen Geländegewinne zu erzielen – mit Ängsten, die durch neoliberale Politik erzeugt wurden. Die Fakten allerdings sind in der Tat alarmierend: Über zehn Millionen Beschäftigte verdienen weniger als 1991 Euro brutto im Monat. Damit können sie später mit ihrer Rente nicht über die gesetzliche Grundsicherung kommen. Das bedeutet: Bald ist rund ein Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter arm. Frauen sind fast doppelt so oft betroffen wie Männer.

Für die Betroffenen ist das eine menschliche Tragödie, für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft eine Katastrophe. Natürlich war diese Entwicklung lange abzusehen; unzählige parlamentarische Anfragen und Anträge der Opposition – besonders der Linkspartei, über die die Bildzeitung wohl nicht berichtet hat – ließen den massiven Anstieg der Altersarmut klar erkennen. Heuchlerisch ist also die Überraschung der verantwortlichen Politiker: Die Regierungskoalitionen der letzten 20 Jahre haben diese Lage durch Niedriglöhne, Werkverträge, Teilzeitarbeit, Minijobs, also durch das ganze Instrumentarium der Prekarität, bewusst und gezielt erzeugt und gefördert.

Wenige Tage vor der Meldung über die drohende Zunahme der Altersarmut hätte eine andere Nachricht über eine aktuelle Studie aufrütteln können. 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind – hier muss wieder betont werden: im reichen Deutschland! – nach offiziellen Statistiken arm, mehr als jede/r Fünfte (21,3 Prozent). Von der relativ guten wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre konnten arme Familien – Kinderarmut ist immer Familienarmut – offensichtlich nicht profitieren. Die Studie der Bertelsmann Stiftung fasst zusammen: „Aufwachsen in Armut begrenzt, beschämt und bestimmt das Leben von Kindern und Jugendlichen – heute und mit Blick auf ihre Zukunft. Das hat auch für die Gesellschaft erhebliche negative Folgen.“

Die Feststellung ist richtig, aber auch hier horcht man auf. Hatte die Bertelsmann Stiftung die Agenda-Politik, die Familienarmut sprunghaft ansteigen ließ, nicht maßgeblich entwickelt und beeinflusst? Hat sie nicht ein Konzept vorgelegt, wie die Bundesregierung die in der Bevölkerung unbeliebten Hartz-Gesetze besser verkaufen könnte? Die massive Einflussnahme der Stiftung auf den neoliberalen Umbau ist bekannt und belegt; das lässt zwar ihre Motive für die Armuts-Studie fragwürdig erscheinen, an den Fakten ändert es aber nichts. Studien mit vergleichbaren Ergebnissen werden in schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht; jedes Mal erfolgt ein empörter Aufschrei wegen der offensichtlichen Ungerechtigkeit und der Benachteiligung von Millionen junger Menschen – seit Jahrzehnten ohne politische Konsequenzen. Das zeigt nur, dass auch bei diesem Skandal die Politik nicht „versagt“, wie von Kritikern gern gesagt wird; vielmehr ist die wachsende Ungleichheit ein Essential der neoliberalen Ideologie wie auch der politischen Praxis.

Kinderarmut ist eine Form systematischer staatlicher Kindeswohlgefährdung. Denn selbst in den Kinder- und Jugendberichten, die das zuständige Bundesministerium regelmäßig veröffentlicht, wird die vielfältige Benachteiligung und Gefährdung wissenschaftlich nachgewiesen. Die grundgesetzlich garantierten Rechte stehen für benachteiligte Kinder und Jugendliche nur auf dem Papier, können aber nicht wahrgenommen werden. Ihre Gesundheit ist massiv bedroht, ihre Persönlichkeitsentfaltung gekappt, ihre Lebenserwartung um Jahre geringer als von Kindern in sozial abgesicherten Verhältnissen. Ist das der von Politikern gepriesene soziale Rechtsstaat, der für gerechten Ausgleich und reale Gültigkeit der Grundrechte für alle zu sorgen hätte? Die Fakten lassen Zweifel aufkommen – oder sollte man sagen: Sie strafen die Politik Lügen? Armut in einem reichen Land verletzt auf vielfältige Weise Grundrechte und macht die Gesellschaft krank. Die krasse Ungleichheit lässt Artikel 20 (1) des Grundgesetzes zu einer hohlen Formel verkommen, ohne dass das Bundesverfassungsgericht die Verwirklichung der Grundrechte für alle einfordern würde.

Und bei den Armuts-Studien ist noch gar nicht erfasst, auf welche Weise die Erfahrung der Benachteiligung in der Kindheit das ganze Leben prägt. Es geht dabei nicht nur um wenig Geld, beengte Wohnverhältnisse und Mangel an digitalen Geräten. Es geht auch um die nachhaltigen seelischen Auswirkungen: statt gesundem Selbstbewusstsein Angst und Unsicherheit. Benachteiligung bewirkt ein wachsendes Misstrauen zur Umwelt und zu gesellschaftlich behaupteten Werten wie Gerechtigkeit. Und Armut, Benachteiligung und der Mangel an „sozialem und kulturellem Kapital“ (Bourdieu) werden quasi vererbt. Deshalb müssten nicht nur erhebliche finanzielle Mittel für die menschenwürdige Lebensführung der benachteiligten Familien bereitgestellt werden; ohne radikale Veränderung der Grundlagen der Klassengesellschaft, die Menschen nach Kriterien ihrer Verwertbarkeit beurteilt, werden gewalttätige Desintegration und rechte Mobilmachung in Deutschland weiter zunehmen. Ohne Änderung der Besitz- und Machtverhältnisse bleibt der von verschiedenen Bundesregierungen immer wieder propagierte Kampf gegen Kinder- und Altersarmut eine heuchlerische Ablenkung vom gesellschaftlichen Skandal.

Wen wundert (und wen empört) es noch, wenn eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) belegt, dass das Vermögen in Deutschland viel ungleicher verteilt ist als bisher veröffentlicht? Die ärmere Hälfte der Bevölkerung besitzt gerade mal 1,4 Prozent des Gesamtvermögens, während ein Prozent der Reichen 35 Prozent besitzt. Auch wenn die augenscheinliche Ungerechtigkeit nicht zu einem Aufschrei oder zu Aufständen führt, ist sie ein Sprengsatz. Denn das Misstrauen in die staatlichen Institutionen, in die Politik der Regierungsparteien hat sich in großen Teilen der Bevölkerung tief festgesetzt.

Armut, Ungleichheit und ihre Folgen sind seit vielen Jahren bekannt. Der neoliberale Kapitalismus und die Machtelite, die ihn durchsetzt, nehmen sie nicht nur billigend zur Kenntnis; sie sind vielmehr für diese Entwicklung verantwortlich. Die Ungleichheit wächst, zerstört Menschen und Gesellschaften. Sie macht krank und asozial – besonders ihre Profiteure. Konzepte, wie die Ungerechtigkeit, wie der Skandal der Armut abgestellt werden könnte, existieren in großer Zahl. Sie werden nicht umgesetzt, weil nicht die Prinzipien des sozialen Rechtsstaates, sondern die Ungleichheit konstituierend ist für dieses System. Lieber baut der Staat Kontrolle und Überwachung massiv aus, militarisiert die innere „Sicherheit“ – und tut ahnungs- und schuldlos, wenn die Menschen das Vertrauen in die staatlichen Instanzen und die Machtelite verlieren. Übrigens: Corona wird die Kluft vertiefen, sowohl zwischen Arm und Reich als auch zwischen Profiteuren und Gegnern des Systems.

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Der fiese kleine Rassist in Jedem von uns

Jenseits der Artengrenze geht unser Gewissen in die Knie. „Unwertes Leben“? Das sind die Kategorien von Nazis. Wir Demokraten, linke zumal, kennen solche Diskriminierungen nicht. Es sei denn… Naja, es heißt ja „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Des Menschen. Dann können wir die der Tiere ja getrost – brutal und millionenfach – verletzen.

Ach ja, möchte man seufzen, diese Rassisten. Und dann auf „die“ mit dem Finger zeigen. Und auf unser Grundgesetz verweisen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das solle man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da steht nicht: Die Würde des Deutschen ist unantastbar. Oder: Die Würde des deutschen Christen ist unantastbar. Eingeschlossen sind tatsächlich auch Muslime. Und Homosexuelle, weil das ja auch Menschen sind. Auch Frauen übrigens, Flüchtlinge und Gefangene. Sogar die Würde des Mörders oder Kindesmissbrauchers ist unantastbar. Wer hat sich sowas nur ausgedacht?

Aber wenn dem so ist, wo nehme ich dann mein Selbstbewusstsein her? Sind die Deutschen denn nichts Besonderes? Sind wir tatsächlich nur Deutsche, weil der blinde Zufall uns einer deutschen Mutter in den Schoß gelegt hat? Und was wir geleistet haben! Wir zählen zu den fünf reichsten Nationen der Welt. Das muss man sich mal vorstellen. WIR Deutschen haben das geschafft. Wir haben in die Hände gespuckt und aufgebaut. Arbeiten könnten die anderen doch auch, statt zu uns zu kommen und die Hände aufzuhalten.

Ach ja, jetzt fehlt nur noch der letzte Satz: Dass es offenkundige genetische Unterschiede gibt und „der Neger eben faul ist“. Zu uns passt der nicht; er soll mal dahin zurückgehen, wo er hingehört. Spätestens jetzt erhielte der rassistische Gedankengang seinen krönenden Abschluss.

Selbst wenn Du, lieber Leser, liebe Leserin, vor solchen Argumenten erschrickst, wenn es also keine versteckten Schubladen in Dir gibt, wo solch geistiger Unrat herumliegt – kennst Du nicht manchen Zeitgenossen, der so sprechen würde, wenn er nur dürfte? Dabei ist der klassische Rassismus nur die Spitze eines Eisbergs. Unter der Wasseroberfläche verbirgt sich die unterschiedliche Wertigkeit von Leben. Wie viele Frauen kaufen sich konventionelle Kosmetik, die mit grausamen Tierversuchen verknüpft ist. Und wie steht es eigentlich mit der Schlachtung von Tierkindern? Warum läuft uns bei einem Ferkel am Grill das Wasser im Mund zusammen, statt dass sich unser Herz schmerzhaft zusammenzieht? Warum endet unser Mitgefühl – sofern vorhanden – an der Artengrenze? Warum darf man Affen töten, Menschen aber nicht? Ein Grund ist glasklar: Die willkürlich gesteckte Artengrenze erlaubt uns guten Gewissens jede Grausamkeit auf der anderen Seite der Grenze. Erlaubt uns, für einen kleinen Gaumenschmaus millionenfaches tierisches Leid billigend in Kauf zu nehmen.

Spätestens an dieser Stelle geht unser Gewissen in die Knie und der kleine Rassist in uns bekommt mächtig Aufwind.

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Mächtiger als Waffengewalt

Wie passiver Widerstand die härtesten Gegner besiegen kann. „Wenn du Widerstand leisten willst, beginne damit, dass du unbedingt du selbst bleibst. Und vermeide jede Selbstentfremdung, zu der man dich verleiten will! Denn selbst, wenn Du im Konflikt siegst – was hilft es, wenn es nicht mehr du bist, der gesiegt hat, sondern eine leere Hülle, angefüllt mit fremden Phrasen?“

Es muss mit einem Einzelnen angefangen haben – mit einem mutigen Menschen, der auf einmal anfing, 1989 auf einer Jubeldemonstration für den rumänischen Diktator Ceaușescu zu pfeifen. Er musste gewusst haben, dass das gefährlich war. Er sprang ins Risiko und veränderte die Geschichte. Sein Solo schwoll an zu einem mächtigen Pfeifkonzert. Die Menschen auf dem Platz buhten ihren Staatschef offen aus. Ceaușescu, der es gewöhnt war, unangefochten in gelenkter Zustimmung zu baden, geriet ins Stocken. Sekunden später blendete das rumänische Fernsehen die Live-Übertragung aus. Einen Tag später war der letzte Tyrann des „Ostblocks“ Vergangenheit. Eine Revolution ohne Gewalt aus der Macht ansteckender Überzeugung.

Solche Vorfälle begeistern uns, aber wir erfahren selten von ihnen. Vielleicht auch, weil Machthaber und ihre Steigbügelhalter in den Medien sich scheuen, uns davon zu erzählen. Zu viel Angst haben sie wohl, einmal selbst auf den Balkonen ihrer angemaßten Überlegenheit von uns ausgebuht zu werden.

Organisierter Aufruhr freilich ist zweischneidig. Wenn Einpeitscher die Menge „führen“, ist da ja schon wieder Führung – Macht. Und es droht Gefahr, dass die Tyrannei, anstatt zu verschwinden, nur die Farbe wechselt. Auch revolutionäres Gehabe ist nicht immer authentisch. Es kann sein, dass hinter der Absicht, eine Macht zu stürzen, die Interessen einer größeren Macht stehen. Wie im Fall der Organisation Otpor, die in der Ukraine und Serbien Regime Change-Operationen durchführte – mit Finanzmitteln aus den USA. Selbst wer anarchisch startet, kann autoritär enden. Auch Rumänien hat sich seither nicht in ein Paradies gewandelt. Vielleicht war der Fehler, dass die Einzelnen die Macht, die sie ihrem nackten Kaiser entzogen hatten, nicht für sich behielten? Sie gaben sie gleich an einen neuen Kaiser weitern.

Es braucht viel innere Stabilität, um ein Machtvakuum auszuhalten. Wenn du Widerstand leisten willst, beginne damit, dass du unbedingt du selbst bleibst. Und vermeide jede Selbstentfremdung, zu der man dich verleiten will! Denn selbst, wenn Du im Konflikt siegst – was hilft es, wenn es nicht mehr du bist, der gesiegt hat, sondern eine leere Hülle, angefüllt mit fremden Phrasen? Selbsterforschung, ja auch Spiritualität können helfen, das Bewahrenswerte aufzuspüren. Und dann die Kraft zu finden, es zu bewahren.

Passiver Widerstand wird politisch oft als irrelevant betrachtet. Dabei sehen Aktive meist nur die eine Seite: das Fehlen lauten Protests; wenig wahrgenommen wird dagegen das leise Widerstandpotenzial, das in der Verweigerung liegt, im Sich-Entziehen. Daraus kann eine Lebenshaltung werden, die den Einzelnen unbestechlich und unerpressbar macht.

Erpressung, Nötigung ist doch das Schmiermittel unserer Gesellschaft und das schleichende Gift in jeder Suppe, die man uns auslöffeln lässt. Strukturelle Gewalt umgibt uns wie das Wasser die Fische. Wenn du nicht tust, was wir von dir verlangen, nehmen wir dir das Geld, das Ansehen und den Luxus weg, den du als Selbstwertprothese so dringend brauchst! Widerstand beginnt damit, dass wir anfangen, immer weniger zu brauchen. Insofern ist Einfachheit Widerstand.

Es kann ganz einfach beginnen. Man schafft z.B. sein Auto ab und legt die meisten Strecken auf einem alten Fahrrad zurück. Man würzt seinen Kartoffelsalat mit dem Bärlauch vom Bahndamm. Man trägt seine alten Pullover etwas länger und nutzt die Zeit, die man für das Rattenrennen nach Erfolg nicht mehr braucht, um bei etwas Schönem länger zu verweilen. Man hat auf einmal Zeit für Freundschaft, Zeit zu helfen und Hilfe anzunehmen. Zeit, das Gedankenkarussell zum Stehen zu bringen und einfach da zu sein. Man geht wie der griechische Philosoph Diogenes über den Markt und freut sich an allem, was man nicht braucht.

Menschen, die mit sich im Reinen sind, verlieren nicht, weil sie am Kampf nicht interessiert sind. Sie sind nicht erfolglos, weil Erfolg für uns keine erstrebenswerte Kategorie ist. Der Mensch, der ein einfaches Leben wählt, ist kein gescheiterter Karrierist; er repräsentiert einen völlig anderen Typus Mensch. Schließlich wirkt seine sanfte Form der Rebellion ansteckend.

Und sagen Sie jetzt nicht, als Einzelner könne man sowieso nichts bewirken.

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Aus gegebenem Anlass

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Empathie im Ausnahmezustand

Die Welt ist im Ausnahmezustand – und das schon seit langem. Wir in Westeuropa und Nordamerika sind es jetzt. Menschen aus Krisengebieten, egal ob diese Krisen durch Hunger, ökologische Unvernunft, geostrategische Stellvertreterkriege oder die Ausbeutung rohstoffhungriger Industrienationen verursacht wurden, sind es schon lange. Trotzdem scheinen die Bundesregierung und ein Großteil der Medienlandschaft bereit zu sein, sich fast monothematisch mit einem aggressiven Grippevirus zu beschäftigen und alle anderen dringenden Fragen hinten an zu stellen.

In Afrika, Südostasien und anderen Teilen der Welt kämpft die Bevölkerung seit Jahren mit Naturkatastrophen, die u.a. durch unseren rücksichtslosen Konsum und Energieverbrauch verursacht worden sind. Die Menschen dort leben seit Jahren im Ausnahmezustand. Aktuell sind ungefähr 1.000.000 syrische Menschen auf der Flucht, um nur einen, immer noch sehr aktuellen, Stellvertreterkrieg zu nennen. Mindestens 2.000 traumatisierte, minderjährige, unbegleitete Kinder sitzen dem zu Folge auf griechischen Inseln fest, die Deutschland nicht bereit war aufzunehmen. Der Antrag der Grünen wurde mit großer Mehrheit, inklusive der Stimmen der SPD, abgelehnt. Man arbeite an einer europäischen Lösung, hieß es.

Nur kommt die für viele dieser Kinder zu spät. Seenotretter werden aufgefordert, zum Schutz der eigenen Bevölkerung nicht mehr mit Ihren Booten auszufahren. Wenn sie es doch tun, wird ihnen immer wieder die Einfahrt in europäische Häfen verwehrt. Die Angst vor dem Gebrüll der Rechten und vor den Wählern, die sich abwenden könnten, ist so groß geworden, dass Mitgefühl und Humanität bedenkenlos über Bord geworfen werden. Die Gesundheit und das vermeintliche Wohlergehen der europäischen Bevölkerung haben einen höheren Stellenwert als die Unversehrtheit geflohener Menschen. Der Krieg im Jemen, in dem sich Saudi-Arabien und der Iran seit 2015, auf Kosten der leidenden Bevölkerung, ihre Vormacht in der Region sichern wollen, findet medial kaum noch statt.

Fridays for Future und Scientists for Future machen seit über einem Jahr auf die Dringlichkeit der Rettung unserer Ressourcen aufmerksam. Um alle mitzunehmen, brauche man Zeit, heißt es von Regierungsseite. Wenn man sich ansieht, was die Regierung wegen Corona in kürzester Zeit, ohne parlamentarische Zustimmung und ohne Rücksicht auf die sozialen Folgen, umzusetzen in der Lage war, scheint einem das Zeitargument in der Umweltdebatte fast zynisch.

Jetzt spukt eine „unsichtbare Gefahr“ durch die Welt. Macron spricht von Krieg, Merkel von der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Angst wird durch viele Medien, auch oder gerade durch die Öffentlich-Rechtlichen, weiter angeheizt. Panik fördert nur selten das Miteinander oder die Empathiefähigkeit. Sie offenbart häufig unsere hässlichen Seiten. Denunziantentum wird nicht nur gebilligt, sondern staatlich gefördert, um die getroffenen Maßnahmen durchzusetzen. Politiker raten dazu, Menschen zu melden, die sich nicht an die Corona-Regeln halten.

Ein Polizist, der die Versammlung vor dem Schöneberger Rathaus am 30.4.20 begleitet hat, erzählte von den täglichen Anrufen „besorgter“ Bürger, die ihre Nachbarn anzeigen, weil sie in Ihrem Hausgang in einer Gruppe von drei Leuten zusammen stehen. Ein Freund von mir wurde mit seiner Tochter von einem leeren Basketballplatz vertrieben, weil ein, in großem Abstand, vorbei gehender Passant die Polizei gerufen hat. Diese Krise hat viele Gesichter. Die Regierung ließ sich über fast zwei Monate nicht beirren, griff massiv in die Bürgerechte ein, schaffte im Eiltempo neue Corona-Gesetze und hat ein ganzes Land „geschlossen“.

Unzählige Menschen leiden unter ihrem Existenz-und Identitätsverlust. Ein Teil des Kulturbetriebs wird sich nicht mehr erholen. Freiberufler, Künstler, kleinere Unternehmer und viele andere sind pleite und verlieren dauerhaft ihre Jobs. Depressionen, Suizide, häusliche Gewalt steigen an. All das nimmt man in Kauf, um Covid-19 in den Griff zu bekommen.

Alle anderen Themen unterliegen einem anderen Zeitmaß. Kein „übereilter“ Ausstieg aus der Kohlekraft, heißt es, kein kompromissloser Ausbau alternativer Energien, kein Tempolimit, kein Besteuerung von Kerosin, kein Verbot von Inlandsflügen. In der Flüchtlingsdebatte ringt man nach europäischen Lösungen, wissend, dass es ewig dauern kann, bis man hier zu einem Ergebnis kommt, und überlässt tausende Geflohene ihrem Schicksal. Was die internationalen Kriegsgebiete angeht, scheint die Zeit fast still zu stehen. Der deutsche Außenminister ist mehr damit beschäftigt, Reisewarnungen auszusprechen oder die Menschen aufzufordern, keine Auslandsurlaube zu planen, anstatt sich als deutscher Chefdiplomat um genau diese Themen zu kümmern. Vieles wäre mit wenig Anstrengung schnell umsetzbar, anderes erfordert einen größeren Kraftaufwand, aber nichts ist mit dem zu vergleichen, was man jetzt aufzugeben bereit ist.

Die Frage, ob wir es als mündige Bürger schaffen, in Zukunft empathisch und solidarisch zu handeln, auch wenn das eigene Leben und das unserer Liebsten nicht unmittelbar gefährdet ist, kann nur jeder für sich selbst beantworten. Aber genau das müssen wir von unseren Regierungen und Ihren Vertretern einfordern, wenn es um die großen Fragen unserer Zeit geht, die vor allem die nächsten Generationen betreffen. Wenn es sein muss, durch eine starke, lebendige außerparlamentarische Opposition und in letzter Konsequenz auch durch zivilen Ungehorsam.

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Zeiten in der (gewollten?) Angstblase

Auch ich lebe derzeit in einer Angstblase, allerdings unterscheiden sich meine Ängste wohl von denen der Mehrheit. Mir macht nicht der gesundheitliche Aspekt dieses Virus Angst, sondern das, was um uns herum passiert. Da ist das Zusammenrücken von links bis kurz vor rechtsaußen (die AFD lassen wir gerade mal noch außen vor).

#staythefuckhome wird mir auch von linken Freunden zugerufen, die noch vor kurzer Zeit antinational und intersektional aufgestellt waren, jetzt aber vorrangig an Social Distancing denken und die Rettung in #staythefuckhome sehen. Vielleicht ist es ja wirklich der richtige und notwendige Weg, ich kann es nur glauben, mit meinem laienhaften Wissen nicht wirklich beurteilen. Aber gehen wir einfach mal davon aus, dass es so ist. Halten wir also Abstand und bleiben wir zu Hause so weit möglich, wie es uns angeraten bzw. verordnet wird. Aber vergessen wir darüber nicht, dass diejenigen, die sich jetzt als Retter in der Not profilieren, die Misere (mit) zu verantworten haben. Schließlich geht es bei den ganzen Einschränkungen, die derzeit unser Leben bestimmen, nicht per se darum, die Menschen vor einer tödlichen Infektion zu schützen, sondern darum, ein kaputtgespartes und profitorientiertes Gesundheitssystem vor der todbringenden Überlastung zu retten.

Und vergessen wir auch nicht, dass Krankheitserregern durch industrielle Landwirtschaft, Monokulturen, Massentierhaltung, Abholzung der Regenwälder und die damit im Zusammenhang stehende Klimaveränderung die besten Voraussetzungen zur Entwicklung und Verbreitung geboten werden. Das alles ist nicht neu, das alles wusste man lange vorher, eine Veränderung rechnete sich aber nicht. Wo das Kapital herrscht, haben Menschen keinen Wert. Wir wissen das längst, nun zeigt es sich in aller Deutlichkeit – wenn man es denn sehen will.

Die das angerichtet haben, profilieren sich nun als die Retter der Nation, halten andere Punkte für wichtig. Die Seuche ist da, warum, woher, wieso und wer sie zu verantworten hat, darüber reden wir später, vielleicht – besser es bleibt der Eindruck einer Naturkatastrophe. Stattdessen wird in diesen Tagen viel von Solidarität gesprochen. Man hilft sich gegenseitig, junge Menschen bieten an, für Ältere einzukaufen (selbst wenn diese tagtäglich zur Arbeit gehen), Facebook-Gruppen sprießen aus dem Boden, in denen Hilfe gesucht und Hilfe angeboten wird, Radiosender bieten Aushänge fürs Treppenhaus zum Download an. Eigentlich doch eine positive Entwicklung, wenn die Menschen solidarisch werden. Ein Erfolg von Social Distancing, so heißt es: „Die Gesellschaft rückt zusammen.“

Aber tut sie das wirklich? Man klatscht abends auf dem Balkon für die Pflegekräfte (anstatt bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern) und Musiker singen aus ihren Fenstern „für Deutschland“, während die Grenzen geschlossen werden und Geflüchtete in Lagern eingesperrt und dort ihrem Schicksal überlassen werden.

Die am Rande dieser Gesellschaft leben, die nie wirklich dazugehört haben, die niemand haben will, von denen wird jetzt noch weiter abgerückt. Vielleicht nicht einmal aus bösem Willen, sondern weil es jetzt um „uns“ geht, um „unsere“ Gesundheit und vor allem die „unserer“ Alten. Die anderen bleiben draußen, um sie kann man sich wieder kümmern, wenn die Zustände sich gebessert haben, wenn der Virus nicht mehr Todesangst verbreitet, als handle es sich um Ebola oder die Beulenpest. Tafeln werden geschlossen, Beratung für Geflüchtete eingestellt, Asylanträge gehen nur noch schriftlich, abgeschoben wird weiter, und sollte sich in den zum Abstand halten zu eng belegten Lagern der Virus ausbreiten, dann hilft auch hier #stayhomeinyourlager, dann kommt einfach niemand mehr raus. Obdachlose dagegen bleiben draußen auf den Straßen, verlieren oft ihre Notfallanlaufstellen – und wer bislang vom Flaschensammeln lebte steht vor dem Nichts.

Wo stehen wir in diesen Tagen? Was uns bis vor Kurzem grundlegend beschäftigte, ist plötzlich in den Hintergrund gerückt. Fast vergessen sind die Geflüchteten in Griechenland und im Niemandsland zwischen Türkei und Europa, vergessen ist die Klimakatastrophe, vergessen sind die elementaren Probleme des Neoliberalismus und der Globalisierung. Kann es wirklich sein, dass wir uns ganz plötzlich nur noch um die Aufrechterhaltung der „Volksgesundheit“ kümmern? Wer nicht dazugehört bleibt dabei auf der Strecke? Kann es so schnell gehen, dass wir unsere Solidarität, die wir bislang doch so hoch geschätzt haben, vergessen?

Die Welt zieht sich um uns herum zusammen, alles wird enger, alles wird beklemmender als wir das bisher erlebt haben. Es geschieht, was wir, trotz aller Kritik an der herrschenden Politik nie für denkbar gehalten hätten: Innerhalb weniger Tage werden die Grenzen geschlossen, Kulturveranstaltungen und „Menschenansammlungen“ jeder Art sind plötzlich verboten, Ausgangssperren werden verhängt. Es hagelt Verbote, einfach so, nichts muss mehr diskutiert werden, nichts wird mehr in Frage gestellt.

„Meidet soziale Kontakte, dann werdet ihr gerettet“, das ist das Motto der Stunde.

#stayhome sagen uns auch diejenigen, die bislang immer den kritischen Blick bewahrt haben. #staythefuckhome – dann retten wir die die Welt. Aber was ist mit denen, die niemanden haben, mit dem sie zu Hause bleiben können? Die ihre letzten Kontakte verlieren, weil sie (aus Rücksichtnahme) niemand mehr besuchen kommt, weil man zwar für sie einkauft, die Einkäufe aber kontaktlos vor der Tür abstellt. Was ist mit denen, für die ihr Zuhause ein unsicherer Ort ist? (Frauenhäuser haben jetzt Hochkonjunktur). „Was mache ich, wenn die Kneipen schließen? Dann bin ich ja noch mehr Stunden am Tag mit mir allein.“

Jetzt sind die Kneipen geschlossen, aus Rücksichtnahme auf die Risikogruppen, heißt es. Aber man kann auch an Einsamkeit sterben, ganz ohne Infektion.

Eine Schockstarre hat die Gesellschaft erreicht, und sie macht keinen Halt vor denen, die sonst alles sehr kritisch beobachtet haben, was von den Herrschenden kam. Alles für die Gesundheit, alle solidarisch mit den eigenen Risikogruppen – die Herrschenden werden es schon richten.

Was ist mit uns geschehen? Ging Corona der Untertanen-Virus voraus und hat uns infiziert? Oder ist es eben doch diese Angstblase, die uns alle auf die eine oder andere Weise einfängt?

Verunsicherung durch die unterschiedlichen und häufig widersprüchlichen Informationen, die fortwährend über uns hereinbrechen, laienhaftes Halbwissen, die Angst, sich gegen die allgemeine Fokussierung auf unsere Gesundheit zu stellen, wenn sogar linke Kreise nur noch #staythefuckhome verbreiten – das alles lähmt enorm. Währenddessen geht das Leben trotz Corona weiter, und es wird auch ein Danach geben. Dürfen wir auf die Gefahren für die Demokratie hinweisen, die ja vorher schon nicht die beste war. Dürfen wir nachfragen, was eigentlich nach Corona kommt, oder halten wir besser still und ducken uns weg bis der Sturm weiter gezogen ist?

Früher oder später wird alles wieder anlaufen, aber niemand weiß, in welchem Zustand die Gesellschaft dann sein wird. Es ist nicht zu übersehen, dass sich manche Politiker momentan geradezu in ihrem Element fühlen, wenn sie Verbote und Einschränkungen verhängen dürfen, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Es ist anzunehmen, dass vieles, was jetzt in der Arbeitswelt als notwendige Maßnahme verkauft wird, um die Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen, zugleich ein Testballon für die Zukunft ist.

Dabei wäre jetzt die Gelegenheit zu akzeptieren, dass der Kapitalismus eine Gefahr für alle bedeutet und weltweit neue Weichen gestellt werden müssen. Es ist nicht mehr zu übersehen, wohin uns die Profitorientierung des Gesundheitswesens gebracht hat. Es ist nicht mehr zu übersehen, was Klimaveränderung, industrielle Landwirtschaft, Monokultur und Abholzung der Regenwälder mit sich bringen. Wenn alles so weitergeht wie bisher, wird Corona nicht der letzte und nicht der schlimmste Virus sein, der unsere heile Welt zerstört. Dann genügt es beim nächsten Mal möglicherweise nicht mehr, zwei Meter Abstand zu halten und Hände zu waschen.

Doch der Fokus der Herrschenden liegt auf den wirtschaftlichen Verlusten durch Corona und die müssen, wenn alles wieder seinen normalen Gang geht, ausgeglichen werden. Aller Vor-aussicht nach indem man so weitermacht wie bisher.

Anstrengende Zeiten stehen uns bevor, anstrengender noch als diese Auszeit, in der wir jetzt mehr oder weniger im Wartestand leben. Wir werden voraussichtlich lange Zeit mit dem Wiederaufbau und der wirtschaftlichen Rekonvaleszenz linker Strukturen beschäftigt sein. Aber auch nach Corona wird es Geflüchtete geben und andere Menschen am Rande der Gesellschaft, die unsere Hilfe brauchen. Möglicherweise mehr als zuvor. Auch nach Corona werden Ausländerfeindlichkeit und Rassismus ein großes Problem sein, möglicherweise ein noch größeres als bisher. Auch nach Corona, so ist zu befürchten, wird das Geschacher um Prozente beim CO²- Ausstoß kein Ende haben und die Klimaveränderung mit großen Schritten weitergehen. Der Abbau von Sozialleistungen und die globale Ausbeutung werden uns mit Sicherheit weiterhin beschäftigen.

Das Netz, das sich um uns zusammengezogen hat zu entfernen, wird nicht einfach werden. Aber einfach war es noch nie.

Was hilft, die Angstblase zu durchdringen: Mit jedem Tag der vergeht, mehren sich auch die kritischen Stimmen. Bleiben wir also gemeinsam am Ball, bleiben wir solidarisch mit allen, die unsere Solidarität brauchen, ganz egal welche Grenze uns trennt. Was jetzt gilt: Kontakte halten und intensivieren, Vorbereitungen auf das Leben danach treffen, Krönchen richten und dann, sobald es wieder möglich ist, hinaus auf die Straßen.

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