Ein kranker Papst: Schuld sind die ’68er

Der 91-jährige Joseph Ratzinger hat einen Text über die angeblichen Verursacher der sexuellen Gewalttaten in der Kirche verfasst und im bayerischen Klerusblatt publiziert. Schuld seien die 68er und die Reformtheologen.

Er schlägt um sich. Benedikt XVI., der 2013 vom Papstamt zurücktrat, gibt so etwas wie den Gegenpapst zu Franziskus. Während der die katholische Kirche auf einen Kurs gegen die im Klerikalismus wurzelnde sexuelle Gewalt zu steuern sucht, zündete der Altpapst im bayerischen Klerusblatt einen Kracher. Der fast 92-jährige Dogmatiker gibt vor, er wisse genau, wer schuld sei an den Missbrauchsverbrechen: Die 68er sowie die liberalen Theologen und Pädagogen in der Kirche.

Für die leidenden Opfer der Verbrechen durch Geistliche zeigt Ratzinger keine Empathie. Dass der Missbrauch viel älter ist als das Jahr 1968, ist ihm keinerlei Erwähnung wert. Benedikt spaltet einmal mehr die Kirche mit seinem Text. Erzkonservative Katholiken preisen ihn, wie die Deutsche Tagespost aktuell titelt, als »durchseelt«. Viele Theologen und engagierte Christen verschiedener Konfession jedoch fragen sich: Hat dieser Mann, der kleinlich alte Feindschaften, Hassbilder und Ressentiments pflegt, noch alle Tassen im Schrank?

1968 – alte Feindbilder werden neu aufpoliert

»Wieso konnte Pädophilie ein solches Ausmaß erreichen?«, fragt der frühere Papst: »Im letzten liegt der Grund in der Abwesenheit Gottes. Auch wir Christen reden lieber nicht von Gott, weil diese Rede nicht praktisch zu sein scheint.« Eine Gesellschaft mit einem abwesenden Gott sei eine Gesellschaft, in der »das Maß des Menschlichen« immer mehr verloren gehe.

Zu Beginn seines langen Aufsatzes schreibt Ratzinger, dass es zur »Physiognomie der 68er Revolution« gehört habe, dass auch Pädophilie erlaubt sei. In derselben Zeit habe sich ein »Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie« ereignet, der auch Teile der Kirche »wehrlos gegenüber den Vorgängen der Gesellschaft« gemacht habe. Auch in verschiedenen Priesterseminaren »bildeten sich homosexuelle Clubs, die mehr oder weniger offen agierten und das Klima in den Seminaren deutlich veränderten«.

Mit Erschütterung sei heute zu sehen, »dass an unseren Kindern und Jugendlichen Dinge geschehen, die sie zu zerstören drohen. Dass sich dies auch in der Kirche und unter Priestern ausbreiten konnte, muss uns in besonderem Maß erschüttern.«

In der Tat. Nicht vergessen werden darf: Als langjähriger Präfekt der Glaubenskongregation hat der damalige Kardinal Joseph Ratzinger sich – lang ist’s her – für die Aufklärung einiger sexueller Gewaltverbrechen etwa bei den »Legionären Christi« und ihrem Gründer Marcial Maciel eingesetzt – gegen den entschiedenen Willen des seinerzeitigen Papstes Johannes Paul II.. Der polnische Pontifex verstand sich als Bekämpfer des Kommunismus. Er beförderte zahlreiche Untäter. Sexuelle Gewalt durch Priester schien ihm kein Thema zu sein.

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