Lasst uns das Klima unserer Kinder zerstören

Am 2. August traf man sich zum Diesel-Gipfel und beschloss Kosmetik. Am selben Tag war Erdüberlastungstag. Und so lieferte der Gipfelbeschluss passend zum Thementag: Wirtschaftsinteressen fressen Erde auf.

Aus dem VW- ist ein Automobilindustrie-Abgasskandal geworden. Und wie Volkswagen, so packten die Restbestände gestaltender Politik – im Volksmund Bundesregierung genannt – selbstverständlich auch die gesamte Branche mit Samthandschuhen an. Den Arbeitgebern vieler Millionen Menschen in Deutschland räumte man gewissenhaft einen Bonus ein. Auch weil sie die technologische Unterfütterung dieser deutschen Klimakanzlerschaft lieferten. Ohne einer vorbildträchtigen Industrie aus deutschen Landen, hätte die deutsche Regierungschefin niemals vor der Welt als grüne Lordsiegelbewahrerin Gestalt annehmen können. Eine Stinkerfabrikation, wie wir sie aus dem Rostgürtel der US kennen, von der aus wahre Brachialmaschinen auf die Straße gerollt werden, die unersättlichen Durst auf Gallonen von Benzin je 100 Meilen haben, hätte dieser wirtschaftsorientierten Kanzlerin arge Glaubwürdigkeitsprobleme auf diversen Klimagipfeln verschafft.

Es war diese vorbildliche Scheinindustrie und die Scheininnovation deutscher Automobile, die die Welt aufhorchen ließen. Einer Frau, die einem Land politisch vorsteht, dass sich energetisch neu erfindet, dass Luft und Sonnenstrahlen zu Strom macht und Autos verkauft, die den Schadstoffausstoss mit gewohnt deutscher Ingenieursgründlichkeit abstellt, der muss man doch einfach glauben. Da kann man bei Kanzlers freilich schon ein bisschen zögerlich sein, wenn dann herauskommt, dass die ganze Gründlichkeit nur so eine war, die sich real nur in der Virtualität einer Software manifestierte.

Auf Grundlage einer Automobilindustrie, die in die Welt tönte, der Umweltverschmutzung jetzt beizukommen, konnte die Klimakanzlerin etwas über unsere Nachkommen erzählen, denen wir in Verantwortung eine nicht ganz so ausgemergelte Welt zurücklassen sollten. Denn was wir jetzt ausbeuten, verdrecken und vergiften, gehe ja alles zu Lasten unserer Kinder und Kindeskinder. Stimmt ja auch! Nur nach diesem sonderbaren Treffen, dass sich als Diesel-Gipfel bezeichnete, war von Klimakanzlerschaft keine Rede mehr. Man zeigte sich kulant, wollte nun keine strafrechtlichen Folgen besprechen, ließ die Sache juristisch schleifen und Fahrverbote für Dreckschleudern wurden als Option gar nicht erst gezogen.

Kinder, Kindeskinder, heutige Stadtbewohner an innerstädtischen Feinstaubhighways? Da hat die Klimakanzlerin aber echt andere Sorgen als die Lungenleiden irgendwelcher Wähler – oder gar nur zukünftigen Wähler – zur Agenda zu erheben. Außerdem findet die nächste Klimakonferenz erst im November auf den Fidschis statt – erst da muss sie wieder grün sein. Am 2. August musste sie das noch nicht. Alles zu seiner Zeit. Die 100-Prozent-Marke was den globalen Ressourcenabbau betraf, hatte exakt am selben Tag seine Zeit. An eben diesem 2. August hat die Welt durchschnittlich das aus den Erden geholt, was man zum Abbau in der Lage ist. Alles was nun abgebaut wird, geht auf Kosten unserer Nachkommen. Wobei noch anzumerken ist: Würden alle in der Welt so haushalten wie die Bundesrepublik, wäre er Erdüberlastungstag schon im April gewesen. Aber zum Glück haben wir ja Länder wie Bangladesch. Die retten den Schnitt. Auf Kosten von uns und unseren Nachkommen geht aber auch der feige Diesel-Gipfel, der als erneuter symbolischer Kotau der Politik vor der Automobilwirtschaft in die Annalen eingehen wird.

Natürlich ging es bei diesem Gipfel nur um Diesel, nicht um das Automobil grundsätzlich, was ja viele dazu bewegte anzunehmen, dass es sich hier nur um einen Wirtschaftskrieg handle. Natürlich wollte man bei diesem Gipfel auch nicht das globale Klima retten, sondern nur das innerdeutsche Klima, also darum die Laune der Wählerinnen und Wähler nicht nochmals zu verhageln, sondern sie bei eben dieser zu halten. Aber so ein kleines Zeichen der Gemengenlage war die Runde aus Politik und Wirtschaft und ohne Umweltverbände, Bürgerstimmen und Ethikeinsprengseln dann doch: Klimakanzlerschaft ist nicht anderes als die Abhängigkeit einer Regierungschefin von einer Industrie, die so tut, als habe sie ein grünes Gewissen gefunden. Und sich das als verlogen, als tiefes klaffendes Loch im seelenlosen Brustkorb eines profitorientierten Produktionsmolochs herausstellt, heißt das noch lange nicht, dass das Primat der Politik Oberwasser bekommt. Ganz im Gegenteil, die Automobilhersteller betrügen seit Jahren und halten sich schadlos und kommen aus solchen Krisen gestärkt im Sinne von »Die können uns gar nichts!« heraus.

Solche Gipfel sind Schaufenster in eine Hölle, die Staatstheoretiker ganz nüchtern als die Verschiebung vom Primat der Politik zum Primat der Wirtschaft bezeichnen. Etwas, was natürlich gerne von beiden Seiten geleugnet wird. Aber dann doch immer besonders auffällig in Szene rückt, wenn die Politik die Wirtschaftsbarone am Schlafittchen packen sollte – und es nicht tut.

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