Offener Brief eines Arbeitslosen an Frau Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales

Freitag, 2.6.2017, Eifel.

Liebe Frau Nahles! Endlich komme ich mal dazu, Ihnen zu schreiben. Das nehme ich mir schon lange vor, weil – nun: Sie reden immer so gerne über Arbeitslose, da dachte ich mir: reden Sie doch einfach mal mit Arbeitslosen … oder noch besser: hören Sie einfach mal zu. Ich weiß, dass das schwer fällt, denn immerhin … sind wir die Unterschicht, oder, vornehmer formuliert: das Prekariat. Kurz: der Dreck, der Abschaum, die Unmenschen, Schuld am Leid des ganzen Landes. Wir saufen den ganzen Tag, rauchen wie Fabrikschlote und sind die Hauptursache, dass RTL 1-24 nur erbärmlichsten Schund produziert: außer uns schaut das nämlich keiner. Wir sind ausländerfeindlich, rechtsoffen, homophob, islamophob, können mit den hochwertigen Errungenschaften der Genderwelt nichts anfangen, weil wir bei der Frage nach unserem Geschlecht einfach in die Hose schauen und dann eine eindeutige Antwort geben können. Wer redet schon gerne mit solchen … Wesen. Sie sind doch eigentlich gar nicht mehr richtig menschlich, oder? Eher so eine Art … Untermenschen.

Sie können edle Weine nicht von billiger Plörre unterscheiden, kaufen billigstes Fleisch bei Aldi, halten „Vegan“ für eine Fortsetzung der Science-Fiction-Serie „Sie kamen von der Wega“ und waren noch nie an den schönsten, von National Geographic ausgezeichneten Urlaubsorten der Welt, sie haben kein Geschirr von Villeroy und Boch, waren noch nie beim Bundespräsidenten eingeladen und haben auch keinen der vielen vielen Preise erhalten, die sich die gehobene Gesellschaft gegenseitig so gerne verleiht. Man kann mit ihnen nicht über die Wahnsinnsgefühle reden, die einen überkommen, wenn in den neuesten Theaterstücken auf der Bühne gekotet und uriniert wird, wenn man in feinstem Kreise pseudokannibalistische Rituale als künstlerischen Akt genießt oder mit dem neuesten Audi-SUV mit 200 über die Autobahn brettert, als sei man ein Sportwagen.

So ist es doch, oder?

Nur mit harter Hand kann man diesen Pöbel dazu bringen, gehorsam zu sein. Man muss sie straff führen, wie Hunde – und sie auch sonst so behandeln. Zuckerbrot und Peitsche – was anderes verstehen die nicht. Fehlt die harte Hand des Herren … weigern die sich nachher noch, Steuern und Abgaben zu bezahlen – und man müsste nachher als hochwohlgeborener Elitemensch noch selber arbeiten gehen – was einem nur die Fingernägel und die Figur ruiniert.

Ja, das war jetzt ein wenig harter Tobak, das stimmt: aber mal Hand aufs Herz: Sie kennen sicher einige, die so denken, nicht wahr? Ich könnte Ihnen ein paar Namen nennen, die öffentlich drastisch solche Horrorbilder befördert haben – was ja nichts besonderes ist. Die Entmenschlichung des Feindes ist der erste Schritt in jedem Krieg, je abartiger der dargestellt wird, umso leichter fällt es, ihn auszulöschen, ja, man fühlt sich letztendlich sogar richtig gut bei jeder Leiche, die man hinterläßt, so als würde man das Werk Gottes tun und die Welt vom Bösen reinigen. Nun – mal abgesehen, dass Gott erstmal nicht vorhat, die Welt vom Bösen zu reinigen – und möglicherweise sogar einen geheimen aber gut Plan mit dem Bösen hat – ist das Auslöschen von Menschen nie gut, egal, wie überzeugt man selbst davon ist, dass das eine gute Sache sei.

Vielleicht sollte ich erstmal etwas über mich erzählen? Sie Frau Nahles kennt jedermann, ich bin nur ein völlig unbekannter Mensch aus einer verstoßenen Maße, die man gerne die ungebildeten Schichten nennt. Ich werde dieses Jahr 58 Jahre alt. Ich habe die Hauptschule besucht, danach Abitur gemacht, mein Studium als einer der Jahrgangsbesten abgeschlossen, Karriere in der Pharmaindustrie gemacht und meine Bafög-Schulden komplett abbezahlt. Mein Vater war Schreiner, er starb sehr früh an Prostatakrebs, meine Mutter war Hausfrau und gelernte Verkäuferin – also jene Berufe, in denen man schon mal leichter arbeitslos wird. Mein Vater war jedoch nie arbeitslos, meine Mutter auch nicht. Ich auch nicht bis … ja nun, bis dieser Moment beim Arzt kam, der mir klar machte, dass die unerträglichen Schmerzen im Rücken nie wieder verschwinden werden und ich mit 45 eine ganz neue Arbeit brauchte. Meine Firma war so nett – nachdem ich ihr schnell noch einen Auftrag für 1,3 Millionen Euro besorgt hatte – das Arbeitsverhältnis zu kündigen, dank der Reform des Kündigungsschutzgesetzes gab es auch keinen Kündigungsschutz: der Anwalt der Gegenseite hatte die Belegschaft schnell auf 9,5 Mitarbeiter heruntergerechnet.

Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit – nachdem mehrere Mitarbeiter des Arbeitsamtes mir klar gemacht hatten, dass sie für mich keine Arbeit hätten, erst recht nicht bei meinem Alter (45) und überhaupt nicht unter Berücksichtigung meines Gesundheitszustandes – wurde ich der erste Kunde der neuen Jobcenter, die mich sofort – obwohl ich noch in Bezug von ALG 1 war – mit einem Jobangebot überfielen, dass ich mit meinem Gesundheitszustand überhaupt nicht mehr bewältigen konnte. Natürlich wurde mit der völligen Einstellung der Leistungen gedroht.

Nun – ich will nicht ja nicht klagen, aus Ihren Sphären hört man dann ja schnell, wie gut es uns doch geht – verglichen mit den hungernden Kindern im Sudan. Mich hat immer gewundert, wie schnell man die Armut Afrikas als Normstandard für eins der reichsten Länder der Welt nimmt – aber nicht die Abgeordnetenbezüge des Sudan für wünschenswert hält. Was kriegen die eigentlich? Drei Hand voll Reis im Monat und ein frisches Magazin für die Kalaschnikow, um das Parlament gegen Banden verteidigen zu können? Ich weiß es nicht. Darum geht es mir auch gar nicht.

Worum es mir geht? Ihnen mal aus erster Hand zu schildern, was „Arbeitslosigkeit“ mit einem Menschen anrichtet. Ich werde Ihnen aufzeigen, dass „Arbeitslosigkeit“ gesellschaftlich wie Krebs zu behandeln wäre – anstatt wie eine vom Gott des Marktes verhängte Strafe für „unrein sein“.

Was sind die ersten Folgen von Arbeitslosigkeit?

Nun – zuerst kommt die Enteignung. Wir hatten sechs Kinder, für jedes dieser Kinder wäre nach unserem Ableben eine Eigentumswohnung vorhanden gewesen – und ein Baugrundstück. Ja – wir hatten vorgesorgt, dafür gesorgt, dass die kleinen glücklichen Küken eine Basis hätten, von der sie aus ins Leben starten können. Das Eigentum – musste natürlich weg, Sie kennen die Gesetze. Mit den Baugrundstücken – die natürlich zwangsversteigert werden mussten – das Gesetz kennt keine Geduld – macht nun ein Unternehmer Millionengewinne. Damals waren die noch nicht soviel Wert, vor allem sollte da nicht gebaut werden, solange die Kinder die Wiesen als Spielplatz brauchten – und ich dort hunderte Bäume pflanzte, um unsere grausame Klimabilanz aufzuhübschen. Mit den Gewinnen aus dem Geschäft, das sich dort jetzt entfaltet, hätten wir ganz ohne Hartz IV lange leben können. Sicher – ich bekam eine winzig kleine Rente (Sie wissen, wie winzig die ist: Ihre Partei hat die ja extra zusammengekürzt), aber die reicht nicht für eine Familie.

Ich hatte ja zu tun – mit doppeltem Bandscheibenvorfall, zertrümmerter Lendenwirbelsäule und dementsprechend vielen Arztbesuchen, Behandlungen und Klagen gegen alles und jedermann, außerdem musste – nach staatlicher Plünderung unseres Eigentums – ein Privatkonkurs organisiert werden (ja: Überraschung – Zwangsversteigerungen bringen nicht so viel wie ein organisierte Verkauf … und da außer den ersten beiden Wohnungen noch nicht alles abbezahlt war, blieben Schulden übrig. Nicht viel – aber genug). Wir hatten ja noch Glück: wir fanden ein Haus, das groß genug für uns war und nur ganz wenig Miete kostete (aber ganz schlecht isoliert war: die Heizkosten waren der Horror: darum froren wir auch ein paar Wochen lang, während es draußen minus 11 Grad war). Es lag wunderschön – nur konnten die Kinder nicht mehr die Eliteschule in Belgien besuchen: 100 km Autofahrt am Tag war einfach nicht mehr drin. Nun – für Belgien war das eigentlich keine Eliteschule, nur ich habe sie so genannt, weil sie so viel fortschrittlicher war als unsere Schulen: dort konnte man gleichzeitig mit dem Abitur eine Berufsausbildung machen (z.b. als Friseur oder Comiczeichner) und sich nach dem Verlassen der Schule – bei bestandenen Prüfungen – sofort als Meister selbständig machen – irre, oder?

Am schlimmsten traf es zuerst die Kinder, sie haben sich bis heute noch nicht davon erholt: vor allem der älteste, bald 30, hat dank Vater Staat weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung: er hat den Absturz der Familie ins soziale Nichts nie überwunden, sich völlig zurückgezogen von der Welt. Dank Vater Staat? Denken Sie nur an das Bild von uns, dass ich oben beschrieben habe: damals haben die Kinder noch Fernsehen geschaut (ich habe es kurz danach völlig abgeschafft, um sie vor der Grausamkeit und Häme von Medien und Politik zu schützen), ihnen war schnell klar, dass sie nun – von heute auf morgen – versoffene Hartzis waren, der Abschaum der Republik. Also brachen sie die Schule ab – jedenfalls die drei Großen, die alt genug waren, selbst zu entscheiden. Die jüngeren bekamen bald Kleiderspenden von Klassenkameraden – was enorm peinlich war.

Dann kam die Trennung der Familie.

Vielleicht kennen Sie die Studie von Forbes: 75 Prozent der Frauen können mit arbeitslosen Partnern nichts anfangen, die kosten nur und bringen nichts (siehe Forbes), außerdem belohnen Sie ja die Trennungen: Alleinerziehende erhalten eine Prämie von 120 Euro im Monat („Alleinerziehendenzuschlag“), wer seine Kinder liebt, ihnen häßliche Armut ersparen will, hat hier einen sicheren Weg, Erleichterung zu schaffen.

Können Sie sich vorstellen, wie „Mann“ sich da fühlt? Nun – Männer sind eine Minderheit in Deutschland – und zwar eine sehr ungeliebte, weshalb das egal ist. Man weiß schnell, dass man als Partner völlig unattraktiv ist, denn: wer mit einem zusammen ziehen will, muss zahlen. Schnell ist man eine „Bedarfsgemeinschaft“ und der Staat überlässt die Zahlungsverpflichtungen dem neuen Partner: betriebswirtschaftlich gesehen ist man in einer Partnerschaft reiner Ballast geworden – zumal heute die Gehälter einzelner kaum ausreichen, eine ganze Familie zu unterhalten, schnell gerät man dann selbst in die Fänge des Jobcenters, die einem dann Stellenangebote schicken (mehr Geld, aber viel weniger soziale Sicherheit) damit man dem Partner komplett aus dem Bezug heraushelfen kann. Alles schon dagewesen.

Wer sich auch trennte? Die Freunde. Und die Verwandschaft. Ja – die Hasskultur im „Mainstream“ hat halt auch Folgen, man ist nicht sonderlich stolz darauf, wenn bei der Hochzeit der Tochter der arbeitslose Cousin mit seinen billigen Klamotten auftaucht und auf die Frage „Und was machen Sie so beruflich“ nur peinlich berührt wegschauen kann. Es war auch gut so, dass die verschwanden, denn: den Geschenkekult der Konsumgesellschaft kann ein „Hartzi“ nicht mitmachen. Auch nicht zu Weihnachten. Es gibt jeden Monat den gleichen Betrag, egal, ob Oma Geburtstag hat oder Weihnachten ist. Man wird zwar schnell einsamer – weil man die vielen Einladungen zum Grillen einfach nicht mit noblen Gegeneinladungen erwidern kann – aber erspart sich dadurch auch enorme Kosten. Man muss außerordentlich streng wirtschaften, um überhaupt überleben zu können: die Preise steigen ständig. Der Hunger steht als Möglichkeit wieder vor der Tür.

Was dann kommt?

Krankheit.

Frau Nahles, nun laufen Sie nicht weg, wir sind noch nicht fertig. Nein, ich zitiere jetzt mal auch keine „alternativen Fakten“, sondern die Bundeszentrale für politische Bildung (siehe BpB):

„Mögliche individuelle Folgen der Arbeitslosigkeit, insbesondere der Langzeitarbeitslosigkeit, sind u.a. psychologische und gesundheitliche Probleme, Entqualifizierung (Entwertung der bisher erlangten Qualifizierung), gesellschaftlich-kulturelle und soziale Isolation (Stigmatisierung), familiäre Spannungen und Konflikte, Schuldgefühle, Aggressivität und trotz Grundsicherung relativer Verarmung. Zwischen den meisten genannten Folgen besteht dabei ein sehr enger Zusammenhang.

Die Folgen von Arbeitslosigkeit beschränken sich nicht auf die Arbeitslosen selbst. Auch für nahe Angehörige kann Arbeitslosigkeit eine gravierende Beeinträchtigung von Wohlstand, Selbstachtung, sozialem Ansehen und Lebenschancen bedeuten. Selbst bei Beschäftigten werden Arbeitsvermögen, Leistung, Solidarität und Krankenstand beeinflußt.“

Man weiß das seit Anfang der 30´er Jahre. Und das … haut besonders ´rein – die leibhaftige Erfahrung von purer Bosheit und reinstem Sadismus. Es gab keinen rationalen Grund für die Horrorgesetze der Agenda 2010, die in so vielen Punkten (Reisefreiheit, Freiheit der Berufswahl, Unantastbarkeit der Wohnung – um nur einige zu nennen) mit der Verfassung kollidierten – und Peter Hartz hatte das ja auch nie so gemeint. Er kam wie ich aus der Privatwirtschaft, setzte ganz naiv die Methoden der Mitarbeiterförderung von VW auf das Arbeitsamt um – ohne sich auch nur den kleinsten Gedanken darüber zu machen, dass die Beitragsgeldvertilger aus dem Mammutamt für Arbeitslosenverfolgung ethisch, moralisch, fachlich und menschlich ganz anders drauf sind als Führungskräfte in der Wirtschaft, die Prämien für erkennbar effektives Fördern erhalten … so dass das Geschäft auch allen Freude macht. Aber die Beamten in Regierung und Behörde haben dann schnell die Gelegenheit genutzt (Sie wissen: vor allem waren das die Staatssekretäre, jene Garde, die auch gerne mal zur Bertelsmannparty eingeladen wird) und daraus ein Vernichtungsgesetz gemacht.

Gut, wir waren bei der Krankheit. Vier von sechs Kindern bekamen unter Hartz IV gesundheitliche Probleme, die vorher nicht erkannbar waren: soziale Ängstlichkeit, Mutismus, Asperger Syndrom, erhöhte Infektanfälligkeit, Antriebsarmut. Wirklich – ich versuche, nach Kräften dagegen zu steuern … mit meinen bescheidenen Mitteln … aber wie es aussieht, werden diese Menschen – die einst so gut gestartet waren und immer so glücklich wirkten – dauerhaft Hartz IV-Empfänger. Sowas betrifft momentan 1,7 Millionen Kinder im Land – meine sind also nicht allein. All´ dieser Rückzug ist aber auch nützlich: schützt er doch vor den Attacken einer durch Medien und Politik aufgepeitschten Umwelt, deren Hass bis heute nie kritisiert wurde – weil er wohl staatlich gewollt war.

Man kann auch nicht alles für die Kinder tun: ein Tag Uniklinik kostet 10 Euro, dazu noch 10 Euro Fahrtkosten … machen Sie das mal zwei Wochen lang, ohne beim Essen massiv einzusparen. Geht einfach nicht.

Man selbst – als Mann – muss damit leben, dass sich die Wahrscheinlichkeit von Prostatakrebs dahingerafft zu werden enorm erhöht (siehe ecancer). Und der Stress, dem man durch Arbeitslosigkeit unterliegt? Schlimmer als der, wenn man sein Haus verliert oder die Kinder ausziehen (journalists.resource). Arbeitslosigkeit kann ziemlich tödlich sein – auf jeden Fall ist sie ein enormes Gesundheitsrisiko. Sie verändert die ganze Persönlichkeit (siehe University of Sterling). Es gibt einen ganzen dicken Forschungsbericht über die gesundheitlichen Folgen der Arbeitslosigkeit (siehe IAB): nach einem Jahr haben 30 Prozent der „Hartzis“ allein durch die Umstände eine psychische Störung. Angst steht dabei an vorderster Stelle: immerhin kann man jederzeit total sanktioniert werden – und sei es auch nur, weil man mal wieder einen Job aus der Pornobranche abgelehnt hat (siehe Gerichtsverfahren).

Man sieht: Arbeitslosigkeit ist an sich schon eine enorme Bedrohung – ich vergleiche das mal mit der Diagnose „Krebs“ – und darauf reagieren Sie noch mit „Druck“? Kein Wunder, dass man da Schaden nimmt: wenn eine Regierung (und eine ganze feine Gesellschaft) anfängt, auf die einzutreten,  die sowieso schon am Boden liegen und die Schwächsten der Gesellschaft sind, muss man sich nicht wundern, dass sich das Klima im ganzen Land verändert. Natürlich hat man Angst – und zwar völlig zu Recht, wenn man sieht, wie eine Behörde wieder mit Vollmacht zu dem Urteil über Leben und Tod ausgestattet wird, das  – das zeigen die enormen Erfolgsquoten der Sanktionierten bei Gericht – sehr freizügig und willkürlich je nach Tageslaune des unterqualifizierten Sachbearbeiters verhängt wird. Es ist die Erfahrung des Bösen, dass in der Gesellschaft die Oberhand gewonnen hat – und sich weiter ausbreitet. Die Erfahrung von Hilflosigkeit, Entwürdigung, Abhängigkeit … und das sichere Wissen darum, dass jederzeit – auch aufgrund eines Amtsirrtums – die Vernichtung erfolgen kann, weil die allerletzten Zahlungen ausbleiben.

Es gibt schon Menschen, die sind obdachlos geworden, weil das Amt die Miete nicht vereinbarungsgemäß zahlte – und die haben sogar vor Gericht verloren.

Und da stellen Sie sich hin und wagen zu sagen, dass Hartz IV nicht für die Armut in Deutschland verantwortlich ist (siehe neues-deutschland). Nun -als Ex-Frau eines Audivorstandes leben Sie ja auch auf ganz anderem Niveau – von den Bergen an Steuergeldern, die Ihnen persönlich zugeteilt werden, mal ganz abgesehen. Ach ja – Steuergelder. Ich will ja nicht nur klagen, sondern auch Verbesserungsvorschläge einreichen: 30 Milliarden kostet Hartz IV, 100 Milliarden werden jährlich an Steuern hinterzogen (siehe Stern): einfach alle Arbeitslosen zu Steuerfahndern ausbilden, die Beute 50/50 teilen – und alle sind froh.

Sie müssten diese Idee nur mit Ihrem Millionär Martin Schulz (siehe theeuropean) besprechen, vielleicht auch mit Ihrem Ex-Mann, dem Audi-Vorstand: schon hätte die SPD endlich ein Programm.

Mit besten Grüßen: Ihr Eifelphilosoph

PS: Ich muss eins gestehen – bevor Sie nach mir fahnden: weder ich noch meine Kinder sind im Leistungsbezug. Da musste ich lügen. Ich arbeite – wieder. Nur: als Hartzi hätte ich diesen Brief nicht schreiben können, ist schon einmal vorgekommen, das ein Mitarbeiter Ihrer Behörde diese Information im Rahmen unseres Engagements für Kikki W. Geiß an die Öffentlichkeit gebracht hatte, um uns mundtot zu machen.

War erfolgreich – nur jetzt … als ordentliche Steuerzahler … können wir etwas deutlicher werden. Ich kann Ihnen aber sagen: die Studien haben Recht: diese Angst wird man nie wieder los. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: diese Erfahrung der Vernichtung von Leben (verstanden als Vernichtung von Lebensqualität in verschiedenen Abstufungen) verändert die Persönlichkeit nachhaltig.

Und auch den Blick auf die feine Gesellschaft.

Arbeitsfähig … dürften nach erfolgreicher Verhartzung wirklich nur noch die allerwenigsten sein.

Warum man das wohl will?

Und warum man nichts dagegen tut – obwohl man seit 1930 über die Folgen Bescheid weiß?

Vielleicht wird es Zeit, dass die Damen aus der feinen Gesellschaft mal für Arbeitslose sammeln, Charityabende veranstalten, Benefizkonzerte machen. Hätte nur keinen Sinn … weil der Staat diesen Opfern des sterbenden Kapitalismus alles sofort wieder weg nimmt.

Verstehen Sie nun, warum ich das Wort „böse“ gebrauche?

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